Mix-Ratgeber

EQ richtig einsetzen: Der Equalizer-Guide vom Anfänger zum Profi

Seimix-Team · 12 Min. Lesezeit

Der EQ (Equalizer) ist das meistgenutzte und zugleich am häufigsten falsch eingesetzte Werkzeug im Mix. Ein paar dB an der richtigen Stelle holen einen dumpfen Gesang nach vorn; an der falschen Stelle machen sie aus einem ganzen Mix ein schrilles oder matschiges Durcheinander. Die gute Nachricht: EQ ist im Kern gesunder Menschenverstand. Wenn du einmal verstanden hast, wofür die einzelnen Frequenzbänder zuständig sind, erledigt dein Ohr den Rest von allein.

In diesem Guide erkläre ich dir EQ von Grund auf und praxisnah. Wir gehen das Frequenzspektrum durch, den Unterschied zwischen Absenken (subtraktiv) und Anheben (additiv), das Aufräumen mit dem High-Pass, die berüchtigte Matschzone zwischen 200 und 500 Hz, die Presence für Klarheit und den Air für Glanz – Punkt für Punkt. Auch das Aufspüren von Problemen mit schmalem Q, das Färben mit breitem Q und, am wichtigsten, wie du jedem Instrument seinen eigenen Platz schaffst, behandeln wir.

Ich gebe dir konkrete Werte: welche Frequenz was macht, wie viele dB du anfasst, in welcher Reihenfolge. Das Ziel ist, dass du nach diesem Text weißt, was zu tun ist, wenn du einen EQ auf einen Kanal legst – statt nur zu raten.

Was ist ein EQ? Das Frequenzspektrum verstehen

Ein EQ erlaubt dir, die Lautstärke verschiedener Frequenzbereiche eines Signals getrennt anzuheben oder abzusenken. Was wir Klang nennen, ist die Summe von Dutzenden gleichzeitig klingender Frequenzen: tiefe Frequenzen tragen Fundament und Wucht, die Mitten den Charakter und die Klarheit, die Höhen Glanz und Luft. Mit dem EQ stellst du diese Bereiche unabhängig voneinander ein und bringst den Klang in die Balance, die du willst.

Das menschliche Ohr hört etwa von 20 Hz bis 20 kHz. In der Praxis hilft es beim Mischen, diesen Bereich in ein paar Hauptzonen zu unterteilen: 20-60 Hz tiefer Sub (mehr gefühlt als gehört), 60-120 Hz Bassfundament, 120-500 Hz untere Mitten (wo Körper und Matsch aufeinandertreffen), 500 Hz-2 kHz Mitten (der Kern des Klangs), 2-5 kHz Presence (Klarheit und Attack), 5-10 kHz obere Mitten (Höhen und Zischlaute) und oberhalb von 10 kHz der Air (Luft und Glanz).

An einem EQ stellst du in der Regel diese drei Dinge ein: Frequenz (wo du ansetzt), Gain (um wie viele dB du anhebst oder absenkst) und Q (wie breit oder schmal der bearbeitete Bereich ist). Sobald du dieses Trio verinnerlicht hast, wird es nebensächlich, welches Plug-in du benutzt – in allen greift dieselbe Logik.

  • Merk dir eine grobe Landkarte: unten (Fundament) 60-250 Hz, Mitte (Charakter) 250 Hz-2 kHz, oben (Klarheit/Glanz) 2 kHz+. Die meisten Entscheidungen fallen in diesen drei Zonen.
  • Hör dir den Klang vor dem EQ einfach nur an und beschreibe ihn in einem Satz: 'zu dumpf', 'dünn/kraftlos', 'schrill'. Diese Beschreibung führt dich zur richtigen Frequenz.
  • Nimm einen Song, den du magst, als Referenz dazu. Der Vergleich deines Mixes mit ihm hält dein Ohr objektiv.

Subtraktiv vs. additiv: erst absenken, dann anheben

Es gibt zwei grundlegende EQ-Ansätze. Subtraktiver EQ bedeutet, störende Frequenzen abzusenken. Additiver EQ bedeutet, Bereiche anzuheben, die du magst. Die Regel ist einfach: wenn möglich, erst absenken, dann anheben. Absenken reinigt einen Klang, ohne ihn zu verbiegen; Anheben fügt Farbe und Charakter hinzu. Erfahrene Ohren erledigen den Großteil der Arbeit über das Absenken.

Warum zuerst absenken? Weil du beim Anheben einer Frequenz nicht nur den gewünschten Klang, sondern auch das gesamte Rauschen und den Matsch in diesem Bereich mit hochziehst. Senkst du das Problem dagegen ab, klingt der Rest von allein klarer. Ist der Gesang zum Beispiel dumpf, versuch erst, den Matsch bei 300-400 Hz um 3 dB abzusenken, statt 3 kHz um 4 dB anzuheben; meistens stellt sich die Klarheit von selbst ein.

Den additiven EQ hebst du dir fürs Färben auf und gehst behutsam vor: breite Anhebungen von 1-3 dB reichen meistens. Wenn du einen Bereich um 6 dB anhebst, liegt das Problem wahrscheinlich nicht am EQ, sondern am Ausgangssignal oder an der Mix-Balance. Beim Absenken darfst du etwas großzügiger sein, aber beim Anheben gilt: weniger ist mehr.

  • So findest du eine störende Frequenz: heb das Band mit schmalem Q um 6-8 dB an, fahr durch das ganze Spektrum, finde die Stelle, an der es am hässlichsten klingelt, und SENK diese Frequenz dann um ein paar dB ab, statt sie anzuheben.
  • Halt additive Anhebungen breit im Q und im Bereich von 1-3 dB. Chirurgisch große Boosts erzeugen einen unnatürlichen Klang.
  • Nach dem Absenken sinkt der Gesamtpegel des Kanals; gleich den Ausgangs-Gain an, um fair zu vergleichen (fall nicht auf den 'lauter = besser'-Trugschluss herein).

Mit dem High-Pass (Low-Cut) den Mix aufräumen

Der schnellste Gewinn in einem Mix kommt vom Aufräumen überflüssiger tiefer Frequenzen. Der High-Pass-Filter (auch Low-Cut genannt) siebt alles unterhalb der eingestellten Frequenz weg. Auf Kanälen wie Gesang, Gitarre oder Synth, die keine tiefe Energie brauchen, sammeln sich Raumgeräusche, Mikrofon-Plopper und nutzlose Sub-Energie an, die den unteren Bereich des Mixes verstopfen. Schneidest du das weg, bekommen Kick und Bass Luft, und der Mix wird auf einen Schlag freier.

Gängige Startwerte: Männergesang 80-100 Hz, Frauengesang 100-120 Hz, E-/Akustikgitarre 80-100 Hz, helle Perkussion wie Hi-Hat und Becken um 300-500 Hz herum. Das sind keine Regeln, sondern Ausgangspunkte; schieb die Frequenz langsam nach oben und geh von dem Punkt, an dem du hörst, wie der Körper des Klangs dünner wird, eine Spur zurück.

Achtung: übertreib es nicht mit dem High-Pass. Schiebst du den Filter bis in den Körper des Gesangs, klingt die Stimme wie ein Telefongespräch. Außerdem bekommen Kick und Bass in der Regel keinen High-Pass; ihr Zuhause ist genau dieser Bereich. Nur für nutzlosen Sub, etwa unterhalb von 30 Hz beim Bass, kannst du einen sehr tiefen Schnitt in Erwägung ziehen.

  • Stell den High-Pass nicht im Solo ein, sondern während der Mix läuft. Eine tiefe Frequenz, die allein gut klingt, kann im Mix Matsch verursachen.
  • Fahr die Frequenz hoch, bis du hörst, wie der nötige Körper dünner wird, und geh dann 10-20 Hz zurück. Das lässt einen sicheren Puffer.
  • Vielen Kanälen einen sanften High-Pass zu geben, klingt sauberer, als einem einzigen Kanal einen aggressiven Schnitt zu verpassen. Teil den unteren Bereich auf 2-3 Instrumente auf.

Die Matschzone: 200-500 Hz zähmen

Der Hauptgrund, warum ein Mix 'matschig', 'dumpf' oder 'wie unter einer Decke' klingt, ist meist die Energie, die sich im Bereich von 200-500 Hz staut. Dieser Bereich ist als untere Mitten bekannt, und hier liegt der Körper fast jedes Instruments: die Fülle des Gesangs, die Wucht der Gitarre, das 'Patschen' der Drums, die oberen Harmonischen des Basses – all das stapelt sich in diesem Bereich. Wenn sich alle in denselben Raum drängen, entsteht ein trüber Haufen.

Die Lösung: aus jedem Kanal in diesem Bereich ein wenig herausnehmen. Beim Gesang nimmt ein Schnitt von 2-4 dB zwischen 250 und 400 Hz mit mittlerer Q-Breite den Matsch weg und bringt Klarheit. Bei der Rhythmusgitarre verhindert ein Absenken von 3 dB bei 300-500 Hz, dass sie mit Gesang und Bass in Konflikt gerät. Das Ziel ist nicht, den Bereich auszulöschen, sondern nur den Anteil jedes Einzelnen ein wenig zu drosseln und dem Mix Luft zu verschaffen.

Es lohnt sich, auch die beiden Nachbarn dieses Bereichs zu kennen: 400-600 Hz ist die Quelle eines 'kartonartigen' (boxy) Klangs, 800 Hz-1 kHz trägt den 'nasalen' Charakter. Klingt der Sound wie aus einem Karton, versuch einen schmalen Schnitt bei 500 Hz; klingt er, als würde jemand durch die Nase sprechen, setz um 900 Hz an.

  • Ist der Gesang dumpf, zuerst: um 300 Hz herum mit mittlerem Q um 3 dB absenken. Oft musst du danach gar keine Höhen hinzufügen.
  • Senk dieselbe Matschzone aus jedem Kanal ein bisschen ab; verteil die Last, statt aus einem einzigen Kanal viel herauszunehmen.
  • Überlagern sich Körper von Bass und Drums, senk bei einem 200-300 Hz ab und lass es beim anderen stehen. Nicht beide dürfen im selben Bereich in voller Lautstärke sein.
  • Hör dir den Mix nach dem Schnitt auf dem Handy oder über Laptop-Lautsprecher an; Matsch fällt auf kleinen Lautsprechern am meisten auf.

Presence: Klarheit und Durchsetzung mit 2-5 kHz

Ob ein Instrument im Mix vorn oder hinten steht, entscheidet vor allem der Bereich von 2-5 kHz. Man nennt ihn Presence, und hier leben Attack, Klarheit und Verständlichkeit eines Klangs. Beim Gesang hängt die Verständlichkeit der Worte an 3-5 kHz, der Anschlag von Fingern und Plektrum der Gitarre an 2-4 kHz, der 'Klick' der Kick an 3-4 kHz. Willst du einen Klang aus dem Gedränge nach vorn holen, findest du die Lösung meist hier.

Um den Gesang nach vorn zu bringen, reicht es oft, um 3-4 kHz herum mit breitem Q um 2-3 dB anzuheben. Aber sei vorsichtig: dieser Bereich ist zugleich der, in dem das Ohr am empfindlichsten ist. Hebst du zu stark an, wird der Klang anstrengend, hart und 'schrill'. Fass nur wenig an und hör im Mix-Kontext; 2 dB fühlen sich hier an wie 6 dB.

Direkt über der Presence liegt bei 6-9 kHz die Zischlautzone: hier sitzen die Schärfen der 's'- und 'sch'-Laute im Gesang. Stechen diese Laute hervor, greif statt zu einem breiten EQ-Schnitt lieber zum De-Esser; der De-Esser springt nur an, wenn diese Silbe klingt, senkt 6-9 kHz ab und lässt den Rest des Klangs unangetastet.

  • Um den Gesang nach vorn zu holen, heb 3-4 kHz um 2-3 dB mit breitem Q an. Auf Kanälen, die du hinten halten willst, fass diesen Bereich nicht an.
  • Schrillheit kommt aus 2-4 kHz, harte 's'-Laute aus 6-9 kHz. Verwechsle die beiden nicht: das Erste ist ein EQ-Schnitt, das Zweite ist Sache des De-Essers.
  • Lass nicht gleichzeitig Gesang und Gitarre bei 3 kHz aufblühen; wollen beide nach vorn, geraten sie in Konflikt. Wähl einen, lass den anderen hinten.
  • Mach beim Hinzufügen von Presence einen A/B-Vergleich: schalte den Boost an und aus. Klingt es mit Boost nicht 'besser', sondern nur 'heller', nimm ihn zurück.

Air: Glanz und Luft oberhalb von 10 kHz

Oberhalb von 10 kHz liegt die 'Luft'-Zone des Klangs. Die Energie hier gibt weniger Klarheit als vielmehr Offenheit, Glanz und ein teures Gefühl. In Pop- und modernen Gesangsproduktionen liegt das Geheimnis, warum eine Stimme 'atmend' und glasklar glänzt, meist in einer behutsamen Anhebung genau hier. Air beeinflusst nicht die Verständlichkeit der Worte, sondern die Gesamttextur des Klangs.

Die sauberste Methode ist der High-Shelf-Filter: ab 10-12 kHz hebst du alles darüber mit einem sanften Shelf um 1-3 dB an. Das öffnet den gesamten oberen Bereich gleichmäßig, statt eine einzelne Frequenz zuzuspitzen, und klingt natürlich. Gesang, Akustikgitarre, Raummikrofone und Overhead-Kanäle der Drums profitieren von dieser Behandlung am meisten.

Aber erzwing keinen Air, wenn er im Ausgangssignal nicht vorhanden ist. Hebst du bei einer billig oder dumpf aufgenommenen Stimme 15 kHz um 6 dB an, verstärkst du nur Zischen und Rauschen. Räum erst den unteren Bereich auf und nimm den Matsch heraus; oft klingt der Mix dann schon heller und du brauchst kaum noch Air.

  • Für Air mit einem High-Shelf bei 10-12 kHz um 1-3 dB anheben. Nimm einen breiten Shelf statt eines schmalen Band-Boosts; das klingt natürlicher.
  • Beende vor dem Hinzufügen von Air unbedingt High-Pass und Matsch-Aufräumen. Einem sauberen Mix reicht wenig Air.
  • Wird Air übertrieben, fällt es zuerst bei Zischlauten und Beckenklängen auf. Fangen die 's'-Laute an zu stechen, dreh den Shelf zurück.

Schmales Q zur Problemjagd, breites Q für Farbe

Das Q bestimmt die Breite des bearbeiteten Bandes und ist die am häufigsten übersehene Einstellung am EQ. Die einfache Regel: schmales Q zum Problemlösen, breites Q zum Färben. Wenn du ein Klingeln, ein Dröhnen oder eine hohe Resonanz jagst, nimmst du ein scharfes, schmales Q (etwa Q 4-8 und höher); so fasst du nur diese spitze Frequenz an und lässt die Nachbarn in Ruhe.

Beim Formen des Gesamtklangs – wenn du den Gesang etwa wärmer oder heller machen willst – nimmst du ein breites Q (etwa Q 0,5-1,2). Breite Anhebungen klingen musikalisch und natürlich, weil sie einen ganzen Bereich gemeinsam anheben, statt eine einzelne Frequenz zuzuspitzen. Das Ohr nimmt breite, sanfte Bewegungen als 'Musik' wahr und schmale, scharfe als 'Korrektur'.

Die klassische Methode der Problemjagd: heb das Band mit schmalem Q deutlich an, fahr die Frequenz langsam durch das Spektrum und finde den Punkt, an dem es am störendsten klingelt. Dort sitzt die Problemfrequenz. Dann verwandelst du den Boost in einen Schnitt und senkst nur so viel wie nötig ab, meist 3-6 dB. Diese Technik heißt 'Sweep and Destroy' und funktioniert wirklich.

  • Jagst du ein Dröhnen oder eine Resonanz, mach das Q schmal (4-8+) und fass nur die schuldige Frequenz an. Ein breiter Schnitt nimmt auch den Körper des Klangs weg.
  • Beim Formen des Tons das Q breit machen (0,5-1,2). Breite Bewegungen klingen immer musikalischer.
  • Ein schmaler Boost wird fast nie gebraucht; schmales Q ist meist zum Absenken da. Wenn du anhebst, halt das Q breit.
  • Mach nicht an derselben Frequenz einen zugleich sehr schmalen und sehr tiefen Schnitt; unter Umständen reißt du gerade ein Stück aus dem Körper des Klangs heraus.

Jedem Instrument Platz schaffen: Frequenzen aufteilen

Die eigentliche Stärke des EQs zeigt sich nicht darin, einen einzelnen Klang zu verschönern, sondern darin, viele Klänge gleichzeitig klar stehen zu lassen. Man nennt das Frequenzaufteilung oder Maskierungs-Lösung. Spielen zwei Instrumente im selben Frequenzbereich in voller Lautstärke, verdecken sie sich gegenseitig und der Mix wird trüb. Die Lösung ist, jedem Klang seine eigene Ecke im Spektrum zu schaffen.

Das bekannteste Beispiel sind Kick und Bass. Beide leben im unteren Bereich und geraten in Konflikt. Die klassische Lösung: bei einem hebst du das tiefe Fundament hervor, beim anderen senkst du diese Frequenz leicht ab. Lass zum Beispiel den Körper der Kick bei 60-80 Hz stehen und drossel denselben Bereich beim Bass um 2-3 dB; im Gegenzug hebst du die Definition des Basses bei 700 Hz-1 kHz hervor und arbeitest den 'Klick' der Kick bei 3-4 kHz heraus. So sind beide hörbar, aber von unterschiedlichen Stellen aus.

Dieselbe Logik gilt für Gesang und Instrumente. Der kritischste Bereich des Gesangs liegt bei 2-5 kHz; deshalb schaffst du dem Gesang Luft, indem du bei Pad-, Synth- oder Gitarrenkanälen, die mit ihm konkurrieren, einen kleinen Anteil bei 2-5 kHz absenkst. Das nennt man 'komplementäres EQing' (complementary EQ): wo du bei einem anhebst, drosselst du beim anderen. Denk dir Instrumente nicht als Kopien voneinander, sondern als Teile, die einander ergänzen.

  • Für Kick und Bass: bei einem 60-80 Hz hervorheben, beim anderen drosseln. Nicht beide dürfen an derselben Frequenz in voller Lautstärke sein.
  • Um dem Gesang Platz zu schaffen, senk bei den Begleitinstrumenten 2-5 kHz um 2-3 dB ab. Der Gesang setzt sich in diese Lücke.
  • Wenn du einen Klang anhebst, überleg, im konkurrierenden Nachbarkanal denselben Bereich abzusenken. Boost und Cut arbeiten als Paar.
  • Auch das Panorama schafft so viel Platz wie der EQ. Zwei konkurrierende Instrumente nach links und rechts zu trennen, ist manchmal schneller als der EQ.

Praktischer EQ-Workflow und die Wahrheit über kleine Lautsprecher

Fassen wir zusammen. Eine funktionierende Reihenfolge ist: (1) Räum zuerst überflüssige tiefe Frequenzen mit dem High-Pass auf. (2) Jag mit schmalem Q Problemfrequenzen, Klingeln und Matsch und senk sie ab. (3) Form bei Bedarf mit breitem Q den Ton und füg Presence und Air hinzu. (4) Schaff zuletzt im Mix-Kontext jedem Instrument mit komplementärem EQ seinen Platz. Also die Reihenfolge: aufräumen, korrigieren, färben, platzieren.

Auch die Reihenfolge von EQ und Kompressor ist wichtig. Den subtraktiven EQ, der Matsch und Rauschen aufräumt, setzt du meist VOR den Kompressor; so reagiert der Kompressor auf ein sauberes Signal und die tiefen Frequenzen pumpen ihn nicht unnötig. Den färbenden additiven EQ setzt du dagegen oft nach dem Kompressor, was ein natürlicheres Ergebnis liefert. Keine Regel, aber ein solider Ausgangspunkt.

Und das Wichtigste zum Schluss: hör dir deinen Mix nicht nur über schöne Kopfhörer an, sondern über den Handy-Lautsprecher, den Laptop und, wenn möglich, im Auto. Der Handy-Lautsprecher gibt unterhalb von 200 Hz so gut wie nichts wieder; deshalb tragen die oberen Harmonischen bei 800 Hz-2 kHz den Körper des Basses. Verschwindet der Bass auf kleinen Lautsprechern, heb statt des Subs diese oberen Harmonischen leicht hervor. Außerdem treten Matsch (200-500 Hz) und Schrillheit (2-4 kHz) auf kleinen Lautsprechern am gnadenlosesten hervor; triff deine Entscheidungen dort.

All das zu lernen ist wertvoll, aber auf jedem Kanal einzeln den High-Pass einzustellen, Matsch zu jagen und mit komplementärem EQ Platz zu schaffen, kostet Zeit und verlangt ein geschultes Ohr. Wenn dein Kopf mehr beim Song als beim Mix sein soll, kannst du bei Seimix deine Stems hochladen und einen Großteil dieser Schritte mit ausgemessenen, ausgewogenen Frequenzentscheidungen automatisch anwenden lassen; das Ergebnis anzuhören und dich auf den Feinschliff zu konzentrieren, bleibt dir überlassen.

  • Merk dir die Reihenfolge: aufräumen (High-Pass) → korrigieren (schmaler Schnitt) → färben (breiter Boost, Air) → platzieren (komplementäres EQ).
  • Setz den aufräumenden EQ vor den Kompressor, den färbenden EQ danach. Das reduziert das Pumpen.
  • Prüf jede wichtige Entscheidung über Handy- und Laptop-Lautsprecher. Matsch und Schrillheit können sich dort nicht verstecken.
  • Sind deine Ohren müde, mach eine Pause. Ein müdes Ohr will ständig mehr Höhen und Pegel; am nächsten Tag klingt der Mix oft ganz anders.

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Häufige Fragen

Soll ich beim EQ zuerst absenken oder anheben?

Die Faustregel lautet: erst absenken (subtraktiv), dann anheben. Senkst du den störenden Matsch oder die Resonanz ab, klärt sich der Klang von selbst, und oft musst du gar nichts mehr anheben. Wenn du anhebst, bleib mit breitem Q bei behutsamen 1-3 dB; große Boosts heben auch das Rauschen an und erzeugen einen unnatürlichen Klang.

Ab wie viel Hz sollte ich beim Gesang einen High-Pass (Low-Cut) setzen?

Als Start sind 80-100 Hz bei Männergesang und 100-120 Hz bei Frauengesang ein guter Ausgangspunkt. Schieb den Filter langsam nach oben und geh von dem Punkt, an dem der Körper des Gesangs dünner wird, 10-20 Hz zurück. Ziel ist, Raumgeräusche und Mikrofon-Plopper zu entfernen; schieb nicht so weit, dass die Stimme wie ein Telefongespräch klingt.

Warum ist der Bereich von 200-500 Hz so wichtig?

Weil sich der Körper fast jedes Instruments in diesen unteren Mitten sammelt und der Mix, wenn sich das stapelt, 'matschig' und 'dumpf' klingt. Beim Gesang um 300 Hz und bei der Rhythmusgitarre bei 300-500 Hz mit mittlerem Q um 2-4 dB abzusenken, löst dieses Aufstauen. Aus jedem Kanal ein bisschen herauszunehmen und die Last zu verteilen, klingt sauberer, als aus einem einzigen Kanal viel abzusenken.

Soll ich den EQ vor oder nach dem Kompressor setzen?

Der subtraktive EQ, der Matsch und Rauschen aufräumt, kommt meist vor den Kompressor; so reagiert der Kompressor auf ein sauberes Signal und die tiefen Frequenzen pumpen ihn nicht unnötig. Der additive EQ, der Farbe und Glanz gibt, klingt dagegen oft nach dem Kompressor natürlicher. Das ist keine Regel, aber eine solide Grundordnung.

Wann sollte ich schmales und wann breites Q verwenden?

Schmales Q (etwa 4-8 und höher) ist zum Problemlösen da: du senkst ein Klingeln, ein Dröhnen oder eine spitze Resonanz ab, ohne die Nachbarn anzufassen. Breites Q (etwa 0,5-1,2) ist zum Formen des Tons da, etwa um den Gesang wärmer oder heller zu machen. Das Ohr nimmt breite Bewegungen als musikalisch, schmale als Korrektur wahr.

Wie trennt man Kick und Bass in den Frequenzen?

Weil beide im unteren Bereich leben, geraten sie in Konflikt; die Lösung ist komplementäres EQing. Bei einem hebst du das tiefe Fundament hervor, beim anderen senkst du diese Frequenz leicht ab. Lass zum Beispiel den Körper der Kick bei 60-80 Hz stehen und drossel denselben Bereich beim Bass um 2-3 dB; im Gegenzug hebst du die Definition des Basses bei 700 Hz-1 kHz und den 'Klick' der Kick bei 3-4 kHz hervor. So sind beide von unterschiedlichen Stellen aus hörbar.

Mein Mix klingt auf dem Handy-Lautsprecher schlecht – was mache ich mit dem EQ?

Der Handy-Lautsprecher gibt unterhalb von 200 Hz so gut wie nichts wieder, deshalb tragen die oberen Harmonischen bei 800 Hz-2 kHz den Körper des Basses. Verschwindet der Bass, heb statt des Subs diese oberen Harmonischen leicht hervor. Außerdem treten Matsch (200-500 Hz) und Schrillheit (2-4 kHz) auf kleinen Lautsprechern am meisten hervor; teste deine Entscheidungen unbedingt dort.

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