Mix-Ratgeber

Was ist Kompression? Einstellungen, Prinzip und Praxis

Seimix-Team · 12 Min. Lesezeit

Kompression ist das meistdiskutierte und zugleich am wenigsten verstandene Thema beim Mixing. Die meisten Homerecording-Produzenten und Rapper öffnen den Kompressor, drehen an ein paar Reglern und denken sich "macht doch jeder so". Dabei tut Kompression nur eine einzige Sache: Sie verkleinert den Abstand zwischen den lautesten und den leisesten Momenten eines Signals. Wenn du diese simple Idee wirklich verinnerlichst, verstehst du auf einmal, warum die Vocals untergehen, warum die Drums leblos wirken und warum der Song auf dem Handy verschwindet.

In diesem Guide erkläre ich dir, was ein Kompressor macht, wozu Threshold, Ratio, Attack, Release, Knee und Makeup jeweils gut sind, wie dieselben Einstellungen entweder "Punch" oder "Glue" erzeugen, wie Parallelkompression funktioniert und wie du ein Signal im Mix nach vorne holst. Dazu gibt es konkrete Werte, Beispiele für Vocals und Drums sowie die häufigsten Fehler. Das Ziel: dass du die Regler nicht zufällig, sondern mit Wissen darüber drehst, was sie tun.

Was ist Kompression und wozu dient sie?

Jedes Signal hat einen "Dynamikumfang": den Abstand zwischen seinem lautesten und seinem leisesten Moment. Stell dir eine Gesangsspur vor. Im Hook wird geschrien, in der Strophe geflüstert. Zwischen beiden können 15-20 dB Unterschied liegen. Ist dieser Bereich in deinem Mix zu groß, zerreißt dir das Geschrei die Ohren, sobald du laut genug drehst, um das Flüstern zu hören; stellst du es nach dem Geschrei ein, verschwindet das Flüstern. Genau hier kommt der Kompressor ins Spiel.

Der Kompressor senkt automatisch alle Signale ab, die über einen von dir festgelegten Schwellwert (Threshold) steigen. Er zieht also die lautesten Momente nach unten und lässt die leisen unangetastet. Das Ergebnis: Der Abstand zwischen laut und leise wird kleiner, das Signal wird "konsistenter" und ausgewogener. Du kannst ihn dir wie einen unsichtbaren Techniker vorstellen, der ständig die Hand am Lautstärkeregler hat und in lauten Momenten blitzschnell herunterdreht. Nur macht er das in einer Tausendstelsekunde.

Kompression soll aber nicht nur die Lautstärke angleichen. Richtig eingesetzt verleiht sie einem Signal Charakter, Grip und Präsenz; sie lässt Instrumente miteinander "verkleben"; sie gibt den Drums Punch und den Vocals Atem. Falsch eingesetzt macht sie das Signal flach, leblos und ermüdend. Der Unterschied liegt darin, die Einstellungen zu verstehen.

  • Kompression = Dynamik verkleinern. Ihre einzige Aufgabe ist es, den Abstand zwischen laut und leise zu verringern.
  • Erst mit den Ohren hören, dann auf die Anzeige schauen. Ein Kompressor ist da, um ein Problem zu lösen; gibt es keins, lass ihn aus.
  • Du musst nicht auf jede Spur einen Kompressor legen. Setze ihn nur bei Signalen ein, deren Dynamik schwankt oder die nach vorne sollen.

Threshold, Ratio und Knee: Wie viel und wie stark komprimieren?

Der Threshold (Schwellwert) ist der Pegel, ab dem der Kompressor zu arbeiten beginnt. Sagen wir, du stellst ihn auf -18 dB; sobald das Signal über diesen Pegel steigt, fängt der Kompressor an abzusenken, darunter rührt er nichts an. Je tiefer du den Threshold ziehst (etwa -30 dB), desto mehr Signal erfasst er und desto stärker komprimiert er; je höher (etwa -6 dB), desto mehr greift er nur in die absoluten Spitzen ein. In der Praxis stellst du den Threshold ein, indem du auf die Gain-Reduction-Anzeige (Pegelabsenkung) schaust.

Die Ratio (das Verhältnis) sagt, wie stark das Signal oberhalb des Thresholds heruntergedrückt wird. 2:1 bedeutet: Ein Signal, das 10 dB über den Threshold steigt, darf nur noch 5 dB darüber hinaus; also eine sanfte Kompression. 4:1 ist ein mittel-starkes Verhältnis, ein Klassiker für Vocals und Bass. 8:1 und höher gilt schon als Limiting, das Signal wird wie an einer Decke festgehalten. Als grobe Faustregel: 2:1-3:1 für leichte Konsistenz, 4:1 für Kontrolle, 6:1 und mehr für aggressive Kontrolle.

Der Knee (Kniepunkt) beschreibt, wie sanft der Kompressor rund um den Threshold einsetzt. Ein "Hard Knee" greift schlagartig ein, hart und deutlich; gut für Drums und aggressive Effekte. Ein "Soft Knee" setzt schon beim Annähern an den Threshold allmählich ein und macht den Übergang unmerklich; bei Vocals und akustischen Instrumenten klingt das natürlicher. Wenn du unsicher bist, ist Soft Knee der gnädigere Weg.

  • Stelle den Threshold nach der Gain-Reduction-Anzeige ein: Für die meisten Aufgaben sind 3-6 dB Absenkung in den Spitzen der Sweet Spot.
  • Ratio-Wahl: Vocals 3:1-4:1, Bass 4:1, Drum-Overheads 2:1-3:1, für unkontrollierte Spitzen 6:1+.
  • Soft Knee = natürlich und unauffällig; Hard Knee = deutlich und charaktervoll. Bei Vocals meist mit Soft Knee anfangen.
  • Dieselbe Gain Reduction bekommst du mit niedriger Ratio + niedrigem Threshold oder hoher Ratio + hohem Threshold; beide klingen unterschiedlich, probier es aus.

Attack, Release und Makeup Gain: Timing ist alles

Der Attack (die Einschwingzeit) ist die Zeit in Millisekunden (ms), die der Kompressor wartet, bis er nach dem Überschreiten des Thresholds voll absenkt. Ein kurzer Attack (0-5 ms) packt sofort den ersten Moment des Signals und drückt den Spitzenimpuls (Transient) platt. Ein langer Attack (20-50 ms) lässt den ersten Moment des Impulses durch und senkt nur ab, was danach kommt; das macht den Impuls deutlicher, mehr "Punch". Der Attack ist die kritischste Einstellung, wenn es um den Charakter eines Signals geht.

Der Release (die Ausschwingzeit) ist die Zeit, die der Kompressor braucht, um nach dem Unterschreiten des Thresholds die Absenkung loszulassen und in den Normalzustand zurückzukehren. Ein kurzer Release (30-80 ms) gibt den Kompressor schnell frei, hält das Signal lebendig und energiegeladen, erzeugt aber übertrieben ein "Pumpen" und atmende Geräusche. Ein langer Release (200 ms und mehr) sorgt für eine sanftere, gleichmäßigere Absenkung; ideal für Glue und Zusammenhalt. Ein guter Start: Stelle den Release so ein, dass er im Tempo des Songs atmet; die Anzeige sollte sich mit dem Rhythmus heben und senken.

Weil der Kompressor das Signal absenkt, sinkt der Gesamtpegel; mit dem Makeup Gain (Aufholverstärkung) fügst du diesen Verlust wieder hinzu. Ziel ist es, den Kompressor im ein- und ausgeschalteten Zustand bei gleicher Lautstärke vergleichen zu können. Machst du das nicht, klingt das komprimierte Signal nur deshalb "besser", weil es lauter ist; das ist eine Gehörtäuschung. Für einen fairen Vergleich gleiche den Pegel mit dem Makeup Gain an und entscheide dann.

  • Willst du Punch, verlängere den Attack (20-40 ms), damit der erste Moment des Impulses durchkommt und der Kompressor erst danach zupackt.
  • Willst du platt drücken (extrem laute Spitzen, Bass), verkürze den Attack (1-5 ms).
  • Lass den Release mit dem Song atmen: Die Gain-Reduction-Anzeige sollte sich im Rhythmus heben und senken, nicht festhängen.
  • Gleiche immer mit dem Makeup Gain den Pegel an und mach per Bypass einen A/B-Vergleich. Lauter ist nicht automatisch besser.

Charakter durch Attack und Release: Punch oder Glue?

Der Trick ist folgender: Mit demselben Kompressor erledigst du zwei völlig unterschiedliche Aufgaben, nur indem du Attack und Release veränderst. Das eine ist "Punch", also Schlagkraft und Energie hinzufügen. Das andere ist "Glue", also mehrere Signale wie ein einziges Ganzes miteinander verkleben. Beides ist Kompression, aber das Timing ist genau entgegengesetzt.

Für Punch nutzt man einen langen Attack + mittel-kurzen Release. Der lange Attack (20-40 ms) lässt den ersten harten Moment eines Drumschlags oder einer Gesangsspur durch, der als "Klick" ans Ohr kommende Transient bleibt erhalten; der Kompressor senkt gleich danach den Körper ab. Das Ergebnis: Der Schlag springt nach vorne, der Rest kommt unter Kontrolle. Bei Trap-Drums, der Snare und der Härte von Rap-Vocals ist diese Einstellung Gold wert.

Für Glue nutzt man eine niedrige Ratio (2:1), sanften Attack, langen Release und eine geringe Menge Gain Reduction (2-3 dB). Das ist eine leichte, gleichmäßige Kompression, die man über den ganzen Mix oder eine Drumgruppe legt; sie verschmilzt die Instrumente miteinander und gibt dem Mix ein Gefühl von Geschlossenheit. Meist wird dafür ein VCA-artiger Bus-Kompressor oder ein sanfter röhrenartiger Kompressor bevorzugt. Regel: Bei Glue wenig komprimieren, das macht viel aus.

  • Punch-Rezept: Attack 20-40 ms, Release 60-150 ms, Ratio 4:1, 4-6 dB Absenkung.
  • Glue-Rezept: Attack mittel-langsam, Release 200-400 ms (oder automatisch), Ratio 2:1, nur 2-3 dB Absenkung.
  • Punch wirkt auf Kanal-/Instrumentenebene; Glue auf Gruppen und dem Mixbus.
  • Du kannst ein Signal sowohl punchy als auch verklebt haben wollen: Schalte zwei getrennte Kompressoren in Serie, jeder macht wenig.

Parallelkompression: Komprimieren, ohne wehzutun

Parallelkompression ist eine der stärksten Techniken, um ein Signal zu verdichten, ohne es plattzudrücken. Die Logik: Du lässt das Originalsignal (unangetastet) so, wie es ist, komprimierst eine Kopie desselben Signals sehr hart und mischst dann beide Signale zusammen. Die hart komprimierte Kopie fügt von unten Körper und Dichte hinzu; das Originalsignal behält seine ganze Natürlichkeit, seinen Punch und seinen Atem. So bekommst du Kraft und Lebendigkeit gleichzeitig.

In der Praxis machst du das, indem du einen Hilfskanal (Aux/Send) aufmachst und das Signal dorthin schickst, oder indem du den "Mix / Dry-Wet"-Regler des Kompressors nutzt. Auf dem komprimierten Kanal darfst du mutig sein: Ratio 8:1 und höher, kurzer Attack, 10-15 dB Gain Reduction, also Werte, die du normalerweise niemals fahren würdest. Dann mischst du diesen Kanal unter das Hauptsignal, hörbar, aber nicht dominant. Meist fängst du ganz zugezogen an und öffnest langsam; sobald das Signal "dicker" wird, hörst du auf.

Diese Technik hilft besonders bei Rap-Vocals (die im Hintergrund einen konstanten, festen Körper wollen), auf dem Drumbus (Gefühl von Raumfülle) und beim Bass sehr. Manchmal wird sie auch "New-York-Kompression" genannt. Wenn du willst, dass dein Signal auf kleinen Lautsprechern und dem Handy nicht verschwindet, ist dieser zusätzliche untere Körper aus der Parallelkompression eine echte Versicherung.

  • Sei auf dem komprimierten Parallelkanal mutig: 8:1-10:1 Ratio, schneller Attack, 10-15 dB Absenkung.
  • Ziehe den Parallelkanal von null auf und stopp, sobald das Signal "voller" wird; er soll stützen, nicht dominieren.
  • Vermeide Phasenprobleme: Spiel auf dem Parallelkanal nicht übermäßig mit EQ und füge keine Verzögerung hinzu; beide Signale sollen fluchten.
  • Bei Rap-Vocals den Körper bei 200-400 Hz im Parallelkanal einen Tick nach vorne holen; das gibt untere-Mitten-Fülle.

Wie holt Kompression ein Signal nach "vorne"?

Ob ein Signal im Mix "vorne" oder "hinten" steht, hat viel mit Konsistenz zu tun. Ein Signal, das durchgehend auf demselben Pegel zu hören ist, klingt nah und klar; ein Signal, dessen Pegel schwankt, mal verschwindet und mal herausspringt, wirkt hinten und diffus. Weil Kompression die Dynamik verkleinert, lässt sie das Signal im Schnitt stabiler und damit näher wirken. Das Gefühl, dass die Vocals einem "ins Gesicht springen", ist zu großen Teilen genau das.

Aber Kompression ist keine Zauberei. Um ein Signal nach vorne zu holen, musst du ihm zuerst frequenzmäßig Platz schaffen. Bei Vocals schon ein paar dB des Schlamms um 200-400 Hz zu schneiden und den Bereich um 3-5 kHz leicht anzuheben, holt das Signal nach vorne; die Kompression fixiert diese Klarheit. Die Reihenfolge ist wichtig: Meist erst mit grobem EQ die Hauptprobleme aufräumen, dann die Kompression setzen, danach mit feinem EQ Politur und Glanz hinzufügen. Eine falsche Frequenzbalance kannst du nicht mit Kompression reparieren.

Der andere Teil des Nach-vorne-Holens ist der Charakter des Kompressors. Eine leichte, aber konsistente Kompression (3-4 dB) holt das Signal nach vorne; aggressives Plattdrücken flacht das Signal paradoxerweise ab, macht es leblos und schiebt es nach hinten. "Mehr Kompression = weiter vorne" ist ein Mythos. Die richtige Menge ist die, die Pegelschwankungen kontrolliert, aber Punch und Atem durchlässt.

  • Reihenfolge fürs Nach-vorne-Holen: grober EQ (Reinigung) → Kompression (Konsistenz) → feiner EQ (Glanz) → Effekte.
  • Um die Vocals nach vorne zu holen: 200-400 Hz Schlamm um 2-4 dB schneiden, 3-5 kHz leicht anheben, dann mit 3-4 dB Kompression fixieren.
  • Bleibt ein Signal hinten, löse zuerst die Frequenzüberlappung, verfalle nicht in den Reflex, mehr zu komprimieren.
  • Wenig Kompression holt nach vorne, zu viel flacht ab und schiebt nach hinten. Suche den Sweet Spot.

Vocal-Kompression: Praxisrezept für Rap und Gesang

Vocals sind die Quelle, die am meisten Kompression braucht, denn die menschliche Stimme ist von Natur aus dynamisch. Bei einer Rap-Performance ist der Pegelunterschied zwischen den Wörtern sehr groß; manche Silben knallen, andere werden verschluckt. Dein Ziel ist, dass jedes Wort gleich klar und präsent sitzt. Ein guter Startpunkt: mit einem opto-artigen, sanften Kompressor oder einem Kompressor mit Soft Knee eine Ratio von 3:1-4:1, mittlerer Attack (5-10 ms), mittlerer Release (100-150 ms) und 4-6 dB Gain Reduction in den Spitzen.

Bei sehr dynamischen oder aggressiven Rap-Vocals reicht ein Kompressor nicht; zwei Kompressoren in Serie zu schalten ist ein professioneller Ansatz. Der erste Kompressor ist langsam und sanft und fasst den Gesamtpegel um 2-3 dB zusammen (opto-artig). Der zweite Kompressor ist schneller und charaktervoller (FET-artiger schneller Kompressor) und fängt die restlichen Spitzen um 2-4 dB. Weil jeder wenig arbeitet, wird das Ergebnis insgesamt viel natürlicher und kontrollierter. Vergiss außerdem nicht, zur Kontrolle der Sibilanten (s-, sch-Laute) einen De-Esser im Bereich um 6-9 kHz einzufügen; Kompression kann diese hohen Laute nach vorne holen.

Wenn du Autotune (Tonhöhenkorrektur) nutzt, ist die Reihenfolge wichtig: Meist kommt erst die Tonhöhenkorrektur, dann die Kompression, dann die Effekte; denn die Kompression fasst die Dynamik des bereits tonhöhenkorrigierten Signals zusammen. Höre die Vocals zum Schluss immer auf Handy- und Laptop-Lautsprechern ab. Eine Vocal, die auf dem Studiomonitor makellos klingt, kann auf einem kleinen Lautsprecher ohne tiefe Frequenzen völlig anders herauskommen; Kompression und Mittenbalance sind hier entscheidend.

  • Rap-Vocal-Start: Ratio 3:1-4:1, Attack 5-10 ms, Release 100-150 ms, 4-6 dB Absenkung.
  • Bei sehr dynamischen Vocals zwei Kompressoren in Serie: einer langsam 2-3 dB, einer schnell 2-4 dB. Zusammen natürlicher.
  • Setze den De-Esser in den Bereich 6-9 kHz; zähme dort die nach der Kompression verstärkte 's/sch'-Härte.
  • Reihenfolge: Tonhöhenkorrektur → Kompression → De-Esser → Reverb/Delay. Checke die Vocals unbedingt auf dem Handy.

Kompression von Drums und Bass

Bei Drums wird Kompression für zwei verschiedene Zwecke eingesetzt: Punch hinzufügen und den Raum füllen. Bei impulsiven Signalen wie Kick und Snare lässt ein langer Attack (20-30 ms) den Transienten durch, der Kompressor senkt von hinten den Körper ab; das Ergebnis ist ein nach vorne springender, harter Schlag. Ein kurzer Release (50-100 ms) erhält die Energie. Für die Kick sind 4:1 Ratio und 3-5 dB Absenkung ein typischer Startpunkt. Bei der Snare kannst du etwas aggressiver gehen und Attack und Release feiner auf den Schlag des Songs abstimmen.

Die gesamte Drumgruppe (Bus) mit einem leichten Glue-Kompressor zusammenzufassen, lässt einzeln spielende Teile wie ein einziges Schlagzeug klingen: 2:1 Ratio, mittlerer Attack, automatischer oder langer Release und nur 2-3 dB Absenkung. Legst du darüber noch Parallelkompression, breiten sich die Drums im Raum aus und wirken groß und fest. Bei elektronischen und Trap-Drums sind ohnehin schon gesampelte Schläge vorhanden, deshalb braucht es weniger Kompression; oft reicht ein leichter Glue auf dem Bus.

Der Bass ist die Quelle, die im Mix am konsistentesten sein muss, denn er trägt das Fundament des Songs. Zur Kontrolle des Basses sind 4:1 Ratio, kurzer bis mittlerer Attack (10-20 ms) und mittlerer Release ein guter Start; 4-6 dB Absenkung halten den Bass bei jeder Note auf gleichem Pegel. Ist der Pegelunterschied zwischen den Bassnoten sehr groß, braucht es stärkere Kompression. Weil Kick und Bass um denselben tiefen Frequenzbereich konkurrieren, sorgt das Aufeinander-Abstimmen der beiden mit Kompression und EQ (etwa: einer hält 60-80 Hz, der andere 100-120 Hz) dafür, dass der Mix auch auf kleinen Lautsprechern stabil steht.

  • Kick/Snare-Punch: Attack 20-30 ms (Transient durchlassen), Release 50-100 ms, Ratio 4:1, 3-5 dB Absenkung.
  • Glue auf dem Drumbus: 2:1 Ratio, 2-3 dB Absenkung; fügt einzelne Teile zu einem Set zusammen.
  • Beim Bass ist Konsistenz Pflicht: 4:1 Ratio, 4-6 dB Absenkung; jede Note soll gleich laut zu hören sein.
  • Trenne Kick und Bass mit Kompression + EQ: einer hält den Sub-Bereich (60-80 Hz), der andere den Oberbass (100-120 Hz).

Die Schäden von Überkompression und häufige Fehler

Kompression ist ein mächtiges Werkzeug, aber wie jedes mächtige Werkzeug schadet es, wenn man es übertreibt. Überkompression tötet die Dynamik eines Signals komplett: Atem, Punch und Lebendigkeit gehen verloren, zurück bleibt eine flache, leblose und ohrermüdende Wand. Das heimtückischste Symptom ist das "Pumpen": Ist der Release zu kurz, öffnet und schließt der Kompressor ständig, und im Hintergrund entsteht ein atmendes, wogendes Geräusch. Ein weiteres Symptom ist, dass die Drums ihren ganzen Schlag verlieren und sich in ein weiches Rauschen verwandeln.

Die häufigsten Fehler sind diese: einen A/B-Vergleich machen, ohne den Pegel mit dem Makeup Gain anzugleichen, und "das Lautere ist besser" denken; auf einem einzelnen Kanal 10-15 dB absenken (dafür sollte man mehrere sanfte Kompressoren nutzen); ein Frequenzproblem mit Kompression lösen wollen; und reflexartig auf jeden Kanal einen Kompressor werfen. Auch falsche Reihenfolgen in der Kette wie erst Limiter, dann Kompressor verderben das Signal. Mit wenigen Kompressoren zu arbeiten, von denen jeder wenig tut, führt fast immer zu einem saubereren Ergebnis.

Auch die Gesamtlautheit (Loudness) eines Songs hängt mit Kompression zusammen, aber Kompression allein bringt den Song nicht auf Streaming-Pegel; das erledigt das Limiting in der Mastering-Phase. Streaming-Plattformen normalisieren das Signal auf eine bestimmte Durchschnittslautheit (etwa -14 LUFS); deshalb tötet es die Dynamik und lässt dir am Ende nur einen leblosen Mix, wenn du den Song nur wegen der Lautstärke plattdrückst und die Plattform ihn dann wieder herunterregelt. Das Ziel ist kontrollierte Dynamik und eine klare Balance; keine rohe Signalkraft.

Das alles von Hand einzeln einzustellen, kostet Zeit und Erfahrung. Wenn du schnell ein sauberes, ausgewogenes und plattformfertiges Ergebnis willst, analysiert Seimix die Stems des Songs und wendet solche Kompressions-, EQ- und Pegelentscheidungen für Vocals, Drums und Bass automatisch an; du kannst das Ergebnis als Referenz nehmen und weiter dazulernen. So beschleunigt es deine Arbeit und du hörst mit den eigenen Ohren, wie richtige Entscheidungen klingen.

  • Hörst du Pumpen, verlängere den Release oder verringere die gesamte Gain Reduction.
  • Senke auf einem einzelnen Kanal nicht mehr als 10 dB ab; nutze stattdessen 2-3 sanfte Kompressoren in Serie.
  • Mach keinen Reihenfolgefehler: EQ (Reinigung) → Kompression → Limiting. Setze den Limiter nicht an den Anfang.
  • Drück den Song nicht nur wegen der Lautstärke platt; Plattformen normalisieren ohnehin auf ~-14 LUFS, erhalte die Dynamik.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kompression und Limiter?

Beide kontrollieren die Dynamik, aber unterschiedlich hart. Ein Kompressor senkt das Signal meist mit Verhältnissen wie 2:1-6:1 stufenweise ab und fügt Charakter hinzu. Ein Limiter ist ein Kompressor mit sehr hohem Verhältnis (10:1 und mehr, praktisch unendlich); er lässt das Signal die von dir festgelegte Decke niemals überschreiten. Kompression nutzt man beim Mixing für Charakter und Konsistenz, Limiting ganz am Ende, um die finale Decke zu schützen und die Gesamtlautheit einzustellen.

Welche Attack- und Release-Werte sollte ich für Vocals nutzen?

Ein guter Startpunkt ist mittlerer Attack (5-10 ms) und mittlerer Release (100-150 ms), 3:1-4:1 Ratio und 4-6 dB Gain Reduction in den Spitzen. Willst du die erste Härte der Vocals erhalten, verlängere den Attack etwas; willst du ein kontrollierteres, flacheres Signal, verkürze ihn. Stelle den Release so ein, dass er im Tempo des Songs atmet: Die Gain-Reduction-Anzeige sollte sich im Rhythmus heben und senken, nicht dauerhaft festhängen. Bei sehr dynamischen Rap-Vocals nutze zwei Kompressoren in Serie, jeder macht wenig.

Wie viele dB Gain Reduction sind normal?

Für die meisten Aufgaben sind 3-6 dB Absenkung in den Spitzen der Sweet Spot und klingen natürlich. Bei Glue-Kompression auf dem Mixbus reichen 2-3 dB. 10 dB und mehr auf einem einzelnen Kompressor drücken das Signal meist platt; brauchst du so viel Kontrolle, ist es sauberer, mehrere Kompressoren in Serie zu schalten und jeden wenig arbeiten zu lassen. Bei Parallelkompression hingegen sind auf dem separaten, hart komprimierten Kanal mutige Werte wie 10-15 dB normal, denn das Originalsignal bleibt unangetastet.

Soll ich zuerst EQ oder zuerst Kompression machen?

Grundregel: erst mit grobem EQ reinigen (etwa bei Vocals den Schlamm bei 200-400 Hz schneiden und unnötige tiefe Frequenzen entfernen), dann Kompression, danach mit feinem EQ Glanz und Charakter. So fasst der Kompressor ein bereits gereinigtes Signal zusammen und verstärkt keine problematischen Frequenzen. Es gibt Ausnahmen, aber für den Anfang ist diese Reihenfolge fast immer sicher. Versuche nicht, eine falsche Frequenzbalance mit Kompression zu reparieren; das ist die Aufgabe des EQ.

Macht Kompression den Song lauter?

Indirekt ja. Weil Kompression die lautesten Spitzen absenkt und du mit dem Makeup Gain das Ganze nach oben ziehst, steigt der Durchschnittspegel und das Signal wirkt "voller". Aber die eigentliche Bearbeitung, die den Song auf Streaming-Pegel bringt, ist das Limiting in der Mastering-Phase. Außerdem normalisieren Plattformen das Signal auf durchschnittlich etwa -14 LUFS, deshalb bringt es nichts, nur wegen der Lautstärke plattzudrücken; es tötet nur die Dynamik. Das Ziel sollte keine rohe Lautstärke sein, sondern eine kontrollierte und klare Balance.

Was ist Parallelkompression und wann setzt man sie ein?

Parallelkompression ist die Technik, das Originalsignal so zu lassen, wie es ist, und eine sehr hart komprimierte Kopie desselben Signals darunter zu mischen. Die komprimierte Kopie fügt Körper und Dichte hinzu, das Originalsignal erhält Punch und Natürlichkeit; so kommen Kraft und Lebendigkeit zusammen. Sie hilft besonders bei Rap-Vocals für einen festen Hintergrund-Körper, auf dem Drumbus für Fülle und beim Bass sehr. Zieh den komprimierten Kanal von null auf und stopp, sobald das Signal voller wird; er soll unterstützend sein, nicht dominant.

Woran erkenne ich, dass ich überkomprimiere?

Die deutlichsten Anzeichen: Das Signal verliert Atem und Punch und wirkt flach und leblos; im Hintergrund ein wie Atem wogendes "Pump"-Geräusch (meist ist der Release zu kurz); die Drumschläge werden weich und verschwinden; und dein Gehör ermüdet beim längeren Hören schnell. Zum Testen gleiche den Pegel des Kompressors mit dem Makeup Gain an und mach per Bypass einen A/B-Vergleich. Klingt der ausgeschaltete Zustand lebendiger und atmender, komprimierst du zu stark; dann solltest du zurücknehmen.

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