Mix-Ratgeber
Klavier mischen: Klarheit, Körper und Brillanz im Gleichgewicht
Seimix-Team · 11 Min. Lesezeit
Das Klavier gehört zu den schönsten und zugleich zickigsten Instrumenten in einem Mix. Solo klingt ein Piano oft umwerfend, doch sobald es in den Mix kommt, verwandelt es plötzlich die Mitten in Matsch, deckt die Vocals zu – oder genau umgekehrt, es klingt dünn und verschwindet im Hintergrund. Der Grund ist simpel: Ein Klavier füllt praktisch das gesamte hörbare Spektrum allein aus (von rund 27 Hz über den höchsten Grundton bei 4-5 kHz bis hinauf zu Obertönen um 15 kHz). Damit überschneidet es sich frequenzmäßig mit allem – Gitarre, Bass, Vocals, Drums, was auch immer im Arrangement steckt.
In diesem Guide zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du das Klavier sauber in den Mix setzt: erst den Matsch rausräumen und Klarheit gewinnen, dann Körper und Brillanz gegeneinander ausbalancieren, danach Kompression, Stereobild, Reverb und – der wichtigste Teil – Platz für Vocals und Lead schaffen. Die Frequenzen und Ratios, die ich nenne, sind Startpunkte; prüf sie mit den Ohren nach und kopier sie nicht blind. Aber zumindest weißt du dann, wo du hinhören musst.
Warum das Klavier so schwer zu mischen ist: der riesige Frequenzumfang
Das Problem des Klaviers ist nicht, dass es schwach wäre, sondern dass es zu viel Platz einnimmt. Die tiefste der 88 Tasten liegt bei etwa 27 Hz, die höchste bei 4186 Hz. Dazu reichen die Obertöne jeder Note bis 10-15 kHz hinauf. Ein einziger Akkord belegt also alles vom Bassbereich bis in die Luftregion. Genau hier fangen die Probleme im Mix an: Der 'Körper' des Klaviers (100-300 Hz) rangelt mit Bass und Kick, der 'Klarheits'-Bereich (2-4 kHz) mit Vocals und Gitarre, die 'Brillanz' (8-12 kHz) mit Hi-Hats und Becken.
Deshalb ist es falsch, beim Mischen zu denken 'ich will jede Frequenz schön hören'. Die richtige Frage lautet: Welche AUFGABE hat das Klavier in diesem Song? Hauptinstrument, Akkordteppich oder Atmosphäre im Hintergrund? Steht die Aufgabe fest, wird auch klar, welches Band du nach vorne holst und welches du zurücknimmst. Denn wenn du versuchst, das ganze Klavier nach vorne zu bringen, kommt am Ende gar nichts nach vorne.
- Bevor du loslegst, beschreib die Rolle des Klaviers in einem Satz: 'Hauptmelodie', 'Akkordbett' oder 'Atmosphäre'. Diese Entscheidung steuert dein EQ-ing.
- Ein Solo-Piano-Stück und ein Klavier in einem vollen Arrangement werden völlig unterschiedlich gemischt: Solo darf jede Frequenz bleiben, im vollen Mix musst du gnadenlos schneiden.
- Zieh dir einen Referenztrack rein und achte darauf, wie viel Raum das Klavier dort einnimmt – meist steht es viel weiter hinten und schlanker, als du denkst.
Fang bei der Quelle an: Aufnahme, Sample und die Stereo-Entscheidung
Der beste EQ ist die Quelle selbst. Wenn du ein gut aufgenommenes Piano oder ein hochwertiges Sample hast, ist die halbe Arbeit schon erledigt. Statt eine schlechte Quelle mit EQ 'retten' zu wollen, such lieber gleich etwas Besseres, wenn es möglich ist. Bei einer akustischen Aufnahme bestimmt die Mikrofonposition den Klang: nah an den Tasten fängt das Mikro den Anschlag und die Klarheit ein, weiter vom Korpus weg entsteht ein runderer, raumiger Ton.
Ob Stereo oder Mono ist ebenfalls eine Entscheidung, die du früh treffen solltest. Eine breite, zweikanalige Klavieraufnahme klingt solo umwerfend, kann aber in einem vollen Mix die Mitte besetzen und den Vocals keinen Platz lassen. In dichten Arrangements ist es oft sauberer, das Klavier auf Mono zusammenzuziehen und leicht auf eine Seite zu pannen (zum Beispiel 20-30 % nach links). In Solo- oder sparsamen Stücken lässt ein breites Stereobild den Song dagegen atmen.
- Wenn du eine Sample-Library nutzt, wähl ein 'trockenes' Preset mit wenig Reverb; den Hall fügst du später selbst hinzu, damit du die Kontrolle behältst.
- Bei Überschneidungen mach das Klavier mono und pann es; die Breite holst du dir über Reverb und Delay zurück.
- Bei einer akustischen Aufnahme ist ein sauberes, nahes Signal mit einem einzigen guten Mikro besser als zwei schlecht platzierte Mikrofone.
Matsch entfernen: 200-400 Hz und der Umgang mit tiefen Frequenzen
Die häufigste Beschwerde beim Klaviermix ist 'Matsch' und 'Undurchsichtigkeit'. Der Übeltäter sitzt meist im Bereich 200-400 Hz. Staut sich hier Energie, klingt der Mix dumpf, überladen und wenig definiert. Die Lösung: eine sanfte Absenkung von etwa 2-4 dB mit breitem Q (also ein weiches, breites Band) in dieser Region. Such mit den Ohren: Setz einen schmalen Peak, dreh den Gain hoch und fahr das Band durch, find den unangenehmsten, am 'kastigsten' klingenden Punkt (oft 250-350 Hz), dreh den Peak dann um und senk vorsichtig ab.
Der zweite Schritt ist der Umgang mit den tiefen Frequenzen. Der tiefste Körper des Klaviers trägt meist nutzlose Energie und kollidiert mit Bass und Kick. In einem vollen Mix schafft ein High-Pass ab 60-100 Hz spürbar Luft; ist das Klavier nicht das Hauptinstrument, kannst du diesen Schnitt bis auf 100-120 Hz hochziehen. In Solo-Piano-Stücken räumst du dagegen nur das Rumpeln unter 30-40 Hz weg und lässt den Körper in Ruhe.
Dann gibt es noch das 'boxy' Gefühl – als käme der Klang aus einer Schachtel – das bei 300-600 Hz entsteht. Füllt sich auch diese Region direkt oberhalb des Matschs (200-400) klingt das Klavier billig und gequetscht. Auch hier hilft je nach Bedarf ein Schnitt von 1-3 dB mit breitem Q.
- Lern für Matsch keinen festen Wert auswendig; find mit der Solo-Boost-Sweep-Cut-Methode den eigenen Problempunkt genau dieses Klaviers (meist 250-350 Hz).
- Stell den High-Pass nach Gehör ein: setz ihn knapp unter den Punkt, an dem das Klavier dünn zu werden beginnt, und verlier den Körper nicht.
- Mach die Schnitte mit breitem Q (sanft); schmale, tiefe Cuts nehmen dem Klang die Natürlichkeit und lassen ihn 'bearbeitet' klingen.
- Vergleich nach allen Schnitten per Bypass; ist aus der Sauberkeit Dünnheit geworden, gib 1 dB zurück.
Körper oder Brillanz? Die Balance finden
Nachdem der Matsch draußen ist, geht es darum, dem Klavier Charakter zu geben – und hier gibt es zwei Extreme: Körper (Wärme, Fülle) und Brillanz (Klarheit, Luft). Beide kannst du nicht gleichzeitig voll aufreißen; je nach Bedarf des Songs priorisierst du eines und machst das andere zur Stütze. Körper und Wärme sitzen bei 120-250 Hz; eine leichte Anhebung hier (1-2 dB) lässt das Klavier voll und teuer wirken, aber zu viel führt dich zurück in den Matsch.
Klarheit und der 'Hammer'-Anschlag liegen zwischen 1-5 kHz; besonders bei 2-4 kHz steckt der Anschlagimpuls am Notenbeginn, und genau der sorgt dafür, dass das Klavier im Mix 'gehört' wird. Verschwindet ein Klavier, ist die Lösung meist nicht mehr Bass, sondern 1-3 dB mehr Präsenz bei 2-4 kHz. Brillanz und Luft kommen über ein Shelf bei 8-12 kHz; einem geschlossen, dumpf klingenden Klavier gibt ein Shelf von 1-2 dB oberhalb von 8 kHz Offenheit. Übertreibst du aber, kommen Zischen und Härte dazu – vor allem bei brillanten Samples ist Vorsicht angesagt.
Eine praktische Faustregel: Körper und Brillanz gleichen sich gegenseitig aus. Willst du das Klavier warm und im Hintergrund, halt den Körper und nimm die Höhen zurück. Willst du es vorne und klar, opfer etwas Körper und öffne 2-4 kHz und 8-10 kHz. Ein Klavier, das gleichzeitig sehr dick und sehr brillant ist, frisst Platz im Mix und ermüdet.
- Verschwindet das Klavier, füg erst Präsenz bei 2-4 kHz hinzu, bevor du Bass draufgibst; Klarheit versteckt sich meist in den oberen Mitten.
- Für Luft bei 8-12 kHz nimm ein Shelf, keinen schmalen Peak; ein Shelf öffnet natürlicher und musikalischer.
- Beim Körper schau auf 120-200 Hz, aber kontrollier bei jedem dB den Matsch; Körper und Matsch sind direkte Nachbarn.
- Setz Boosts sparsamer ein als Cuts; ein guter Klavierton entsteht meist durch 'Wegnehmen', nicht durch 'Hinzufügen'.
Mit Kompression die Dynamik zähmen
Das Klavier ist ein sehr dynamisches Instrument: Zwischen einer sanft gespielten Passage und einem Forte-Akkord liegen große Pegelunterschiede. Im Mix bedeutet das: Das Klavier verschwindet mal und springt dann wieder heraus. Kompression fängt diesen Unterschied ab und setzt das Klavier auf einen festen Platz im Mix. Fang moderat an: eine Ratio zwischen 2:1 und 3:1, ein mittlerer Attack (etwa 20-40 ms) und ein mittelschnelles Release (150-250 ms oder programmabhängiges Auto). Stell den Threshold so ein, dass er an den lautesten Stellen 2-4 dB Gain Reduction zeigt.
Die Attack-Einstellung ist entscheidend für den Klang. Setzt du den Attack zu kurz, drückst du den Hammer-/Anschlagsound der Noten weg, das Klavier wird dumpf und weich. Ein Attack von 20-40 ms lässt den Anschlag durch und kontrolliert nur den Ausklang, so bleibt die Klarheit erhalten. Soll das Klavier perkussiv und vorne sein, verläng den Attack etwas; soll es weicher werden und sich einfügen, verkürz ihn ein wenig.
Zu viel Kompression macht das Klavier 'atemlos' und flach; sie tötet das natürliche Auf und Ab der Musik. Dein Ziel ist nicht, das Klavier plattzudrücken, sondern es auf einem konstanten Pegel im Mix zu halten. Brauchst du mehr als 6 dB Gain Reduction, liegt das Problem wahrscheinlich in der Quelle oder in der Pegel-Automation; statt den Kompressor stärker arbeiten zu lassen, denk lieber über eine manuelle Pegelkorrektur per Automation nach.
- Starteinstellung: Ratio 2:1-3:1, Attack 20-40 ms, Release 150-250 ms, 2-4 dB Gain Reduction.
- Verlierst du den Anschlag, verläng den Attack; springt das Klavier heraus, verkürz das Release etwas.
- Bei starken Dynamiksprüngen erst manuelle Pegel-Automation (leise Passagen anheben), dann leichte Kompression; lad nicht alles auf den Kompressor.
- Gleich den Pegel nach der Kompression per Make-up-Gain an und vergleich per Bypass; fall nicht auf 'lauter = besser' herein.
Stereobild und die Realität von Handy und kleinen Lautsprechern
Ein breites Stereo-Piano klingt über Kopfhörer umwerfend, birgt aber zwei Gefahren: Mono-Kompatibilität und die Realität kleiner Lautsprecher. Viele Hörer werden dich über den Handylautsprecher, eine Bluetooth-Box oder das Laptop hören – die meisten davon sind mono oder nahezu mono. Ein extrem breites Stereobild klingt beim Zusammenlegen auf Mono wegen Phasenproblemen dünn, fällt in sich zusammen oder verschwindet teilweise. Der Weg, das zu kontrollieren: Schalt den Mix ab und zu auf Mono und schau, ob das Klavier noch voll dasteht.
Tiefe Frequenzen gehören besonders in Mono. Die Energie des Klaviers unter 250-300 Hz im Stereobild zu verteilen, führt zu Phasen- und Kraftverlust; dieses tiefe Band in der Mitte (auf Mono) zu bündeln, macht den Mix auf dem Handy und auf großen Systemen stabiler. Halt die Breite eher in den oberen Mitten und Höhen; die Richtung nimmt das Ohr ohnehin dort wahr.
Die Handy-Realität ist ein weiterer wichtiger Punkt: Kleine Lautsprecher geben unter 60 Hz so gut wie nichts wieder. Ob das Klavier auf dem Handy hörbar ist, hängt nicht an diesem tiefen Körper, sondern am Mitten-Bass-Körper zwischen 200-500 Hz und an der Klarheit bei 2-4 kHz. Damit der Mix auf dem Handy 'da' ist, muss dieses Mittenband also solide und sauber sein – und genau hier zeigt sich, warum die Matschbeseitigung so wichtig ist.
- Schalt den Mix regelmäßig auf Mono und hör hin; wird das Klavier in Mono dünn, reduzier die Stereobreite oder bündel die tiefen Frequenzen in der Mitte.
- Halt alles unter 250-300 Hz in Mono und lass die Breite in oberen Mitten und Höhen; das klingt kräftiger und mono-kompatibler zugleich.
- Test auf dem Handy: Das Klavier wird über 2-4 kHz Klarheit und 200-500 Hz Körper getragen, verlass dich nicht auf den Sub.
- Gibt es mehrere Pianos/Keyboards, trenn sie nach LCR-Prinzip (eins leicht links, eins rechts); leg nicht beide in die Mitte.
Reverb und Tiefe: das Klavier im Raum platzieren
Reverb gibt dem Klavier Raum und Tiefe, ist aber der am meisten übertriebene Effekt. Ein trockenes Piano kommt nah und nach vorne; ein nasses (verhalltes) Piano rückt weit nach hinten. Ist das Klavier das Hauptinstrument des Songs, halt den Reverb knapp, damit es vorne bleibt; hat es eine Atmosphären-/Teppichrolle, schieb es mit mehr Reverb nach hinten. Auch die Wahl des Typs zählt: Plate-Reverb gibt dem Klavier eine klassische, glänzende Brillanz; Hall ein größeres, natürliches Raumgefühl; Room einen engen, nahen Raum.
Bei der Reverb-Einstellung sind zwei Parameter entscheidend. Das Pre-Delay (etwa 20-40 ms) setzt eine kleine Lücke zwischen das trockene Signal und die Hallfahne; diese Lücke bewahrt die Klarheit des Klaviers, damit der Reverb die Noten nicht sofort verschluckt. Das Decay (die Länge der Fahne) ist je nach Tempo mit rund 1,2-1,8 Sekunden für die meisten Songs ein guter Startpunkt; in schnellen, vollen Stücken halt es kürzer, damit nichts verwischt.
Der wichtigste Trick: den Reverb selbst zu EQen. Schneide im Reverb-Send alles unter 300 Hz weg (sonst matscht der Hall) und senk oberhalb von 8-10 kHz leicht ab (sonst wird der Hall zischelig und hart). So fügt der Reverb nur dem gewünschten Band Raum hinzu und trübt den Mix nicht. Außerdem sorgt Reverb nach der Kompression, ganz am Ende, für eine besser kontrollierte Fahne.
- Ist das Klavier das Hauptinstrument, halt den Reverb knapp; ist es Atmosphäre, sei großzügig. Reverb-Menge = Tiefe.
- Ein Pre-Delay von 20-40 ms bewahrt die Klarheit; verschluckt der Reverb das Klavier, füg Pre-Delay hinzu.
- EQ den Reverb-Send: schneide unter 300 Hz und über 8-10 kHz weg; räum den Matsch und das Zischeln des Halls selbst weg.
- In vollen/schnellen Stücken kürz das Decay (1-1,3 s); in langsamen, sparsamen Stücken darfst du es verlängern (1,5-2 s).
Im Mix Platz schaffen: Frieden mit Vocals und Lead
Hier kommt die eigentliche Prüfung des Klaviermixes: gleichzeitig mit dem Vocal oder der Hauptmelodie (Lead) gut klingen. Weil beide im Band 1-5 kHz leben, überschneiden sie sich naturgemäß – und hinter den meisten 'das Vocal ist weg'-Beschwerden steckt ein zu fülliges Klavier. Die Lösung heißt Frequenz-Carving (EQ-Carving): Senk im Klavier genau die Region ab, die für das Vocal am kritischsten ist (meist die Präsenz bei 2-4 kHz). Ein sanfter Cut von 2-3 dB bei 2-4 kHz im Klavier schafft dem Vocal Luft zum Atmen; der Hörer merkt nicht, dass das Klavier abgesenkt ist, aber das Vocal tritt nach vorne.
Die zweite Technik ist die Trennung über Pegel und Panorama. Wenn Klavier und Vocal ständig auf derselben Lautstärke kämpfen, ist es oft der einfachste und wirksamste Schritt, das Klavier um 1-2 dB abzusenken. Das Klavier leicht auf eine Seite zu pannen und das Vocal in der Mitte zu lassen, schafft im Stereoraum ebenfalls Trennung. In Passagen, in denen sich Melodie und Vocal abwechseln (Vocal kommt – Klavier zurück, Vocal schweigt – Klavier vor), ist Pegel-Automation die Geheimwaffe professioneller Mixe.
Eine fortgeschrittene Technik ist ein leichtes Sidechain: das Klavier jedes Mal, wenn das Vocal einsetzt, ganz leicht (1-2 dB) automatisch absenken. Das ist so sanft, dass der Hörer es nicht bemerkt, lässt dem Vocal aber einen ständig offenen Korridor. Übertreib nicht; das Ziel ist nicht, das Klavier unhörbar zu machen, sondern zu garantieren, dass das Vocal immer ganz oben bleibt. Denk dran: In einem Mix kann nicht jedes Instrument gleichzeitig der 'Star' sein; die Aufgabe des Klaviers ist meist, das Vocal zu tragen, nicht mit ihm zu konkurrieren.
- Ist das Vocal verschwunden, setz im Klavier bei 2-4 kHz einen sanften Cut von 2-3 dB; räum das Präsenzband des Vocals aus dem Klavier.
- Die einfachste Lösung ist oft, das Klavier um 1-2 dB abzusenken; versuch nicht, alles per EQ zu lösen.
- Bau eine abschnittsweise Pegel-Automation: Vocal kommt – Klavier leicht zurück, im Instrumentalteil nach vorne.
- Öffne dem Vocal mit sanftem Sidechain (1-2 dB) einen ständigen Korridor; hörst du ein Pumpen, hast du zu viel draufgeladen.
Mit Referenz vergleichen, fertigstellen und Zeit sparen
Bevor du den Mix abschließt, vergleich ihn unbedingt mit einem Referenztrack. Zieh dir eine professionelle Produktion aus demselben Genre rein, die dir gefällt, und hör hin, ob das Klavier in deinem Mix oder in der Referenz weiter vorne steht, ob es brillanter oder wärmer ist. Nachdem du stundenlang auf deinen eigenen Mix gestarrt hast, gewöhnt sich dein Ohr und du verlierst die Balance; eine frische Referenz holt dich zurück in die Realität. Wiederhol denselben Vergleich über den Handylautsprecher, über Kopfhörer und, falls vorhanden, über Monitore; ist er auf allen dreien konsistent, steht der Mix solide.
Kurz gesagt verläuft die Roadmap des Klaviermixes in dieser Reihenfolge: Quelle in Ordnung bringen, Matsch (200-400 Hz) und tiefe Frequenzen aufräumen, Körper-Brillanz-Balance herstellen, mit Kompression die Dynamik einfangen, Stereo und Mono ausbalancieren, mit Reverb Tiefe geben und ganz zuletzt Platz für Vocal/Lead schaffen. Vergleich bei jedem Schritt per Bypass und frag dich: 'Ist es besser oder nur lauter?'
All das macht Spaß zu lernen, kostet aber Zeit; jeden dieser Schritte in jedem Song von Hand einzeln durchzugehen, ist ordentlich Arbeit. Genau hier kommt Seimix ins Spiel: Wenn du dein Klavier (und deine anderen Stems) hochlädst und die Richtung über eine Referenz vorgibst, trifft es Entscheidungen wie Matschbeseitigung, Balance, Kompression und Platzschaffen maßvoll für dich und liefert einen ausgewogenen Mix. Ob du alles selbst von Hand machst oder die Logik aus diesem Guide in ihrer automatischen Form Seimix überlässt – gewinnen sollen deine Ohren.
- Vergleich vor dem Abschluss unbedingt mit einer professionellen Referenz; weil dein Ohr sich gewöhnt hat, kann die Balance verrutscht sein.
- Handy, Kopfhörer und Monitore: Ist es auf allen drei Systemen konsistent, ist der Mix fertig.
- Frag bei jedem Schritt per Bypass: 'Besser oder nur lauter?'; ein Pegelunterschied verfälscht die Entscheidung.
- Ist dir der Prozess zu lang, lad deine Stems bei Seimix hoch und lass dieselbe Logik automatisch anwenden – prüf das Ergebnis dann mit deinen eigenen Ohren.
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Häufige Fragen
In welchem Frequenzbereich sitzt der Matsch beim Klaviermix?
Matsch und Undurchsichtigkeit sammeln sich meist im Bereich 200-400 Hz. Setz hier einen sanften Cut von 2-4 dB mit breitem Q. Um den genauen Punkt zu finden, setz im EQ einen schmalen Peak, dreh den Gain hoch, fahr das Band durch, find die am kastigsten/unangenehmsten klingende Stelle (oft 250-350 Hz) und dreh den Peak dann zum Absenken um. Achte außerdem auf das 'Schachtel'-Gefühl bei 300-600 Hz.
Sollte ich auf das Klavier einen High-Pass (Low-Cut) legen?
In einem vollen Mix ja. Der tiefste Körper des Klaviers kollidiert meist mit Bass und Kick und trägt nutzlose Energie. Ein High-Pass ab 60-100 Hz schafft Luft; ist das Klavier nicht das Hauptinstrument, kannst du bis 100-120 Hz hochgehen. In Solo-Piano-Stücken räum dagegen nur alles unter 30-40 Hz weg und töte den Körper nicht.
Das Klavier deckt im Mix das Vocal zu – was tun?
Klavier und Vocal überschneiden sich bei 1-5 kHz. Setz im Klavier im Präsenzbereich des Vocals, also bei 2-4 kHz, einen sanften Cut von 2-3 dB; das schafft dem Vocal Luft zum Atmen. Senk zusätzlich das Klavier um 1-2 dB ab, pann es leicht auf eine Seite und nutz abschnittsweise Pegel-Automation. Als fortgeschrittene Technik kannst du ein sanftes Sidechain (1-2 dB) aufs Vocal legen.
Wie viel Kompression braucht das Klavier?
Fang moderat an: Ratio 2:1 bis 3:1, mittlerer Attack (20-40 ms), mittleres Release (150-250 ms) und 2-4 dB Gain Reduction an den lautesten Stellen. Setz den Attack nicht zu kurz, sonst drückst du den Hammer-Anschlag der Noten weg und das Klavier wird dumpf. Brauchst du mehr als 6 dB Gain Reduction, denk erst über manuelle Pegel-Automation nach.
Sollte ich das Klavier in Stereo oder Mono lassen?
Kommt drauf an. In Solo- oder sparsamen Arrangements lässt breites Stereo den Song atmen. In vollen Mixen bündelst du es dagegen auf Mono und pannst leicht (zum Beispiel 20-30 % nach links), um die Mitte dem Vocal zu überlassen. In jedem Fall gilt: alles unter 250-300 Hz in die Mitte/Mono halten und den Mix ab und zu auf Mono schalten, um zu prüfen, ob das Klavier nicht dünn wird – viele Hörer hören per Handy in Mono.
Welchen Reverb und wie viel nimmt man fürs Klavier?
Plate-Reverb gibt eine polierte Brillanz, Hall ein natürliches Raumgefühl. Halt das Pre-Delay bei 20-40 ms (bewahrt die Klarheit) und starte das Decay je nach Tempo bei etwa 1,2-1,8 Sekunden. Am wichtigsten: EQ den Reverb-Send – schneide unter 300 Hz und über 8-10 kHz weg, damit der Hall nicht matscht und zischelt. Ist das Klavier das Hauptinstrument, nimm wenig Reverb; hat es eine Atmosphärenrolle, sei großzügiger.
Warum verschwindet das Klavier auf dem Handylautsprecher?
Kleine Lautsprecher geben unter 60 Hz so gut wie nichts wieder, der tiefe Körper des Klaviers ist auf dem Handy also nicht hörbar. Auf dem Handy wird das Klavier über den Mitten-Bass-Körper bei 200-500 Hz und die Klarheit bei 2-4 kHz getragen. Deshalb sind Matschbeseitigung und ein solides Mittenband entscheidend. Test den Mix unbedingt auf dem Handy und vernachlässig das Mittenband nicht, indem du dich auf den Sub verlässt.
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