Mix-Ratgeber
Bass mischen: Der komplette Guide für ein sauberes, druckvolles Low-End
Seimix-Team · 12 Min. Lesezeit
Der Bass ist das Element, das man in einem Mix am stärksten spürt und zugleich am schwersten in den Griff bekommt. Ein guter Bass gibt dem Song Kraft und Fundament; ein schlechter ist entweder gar nicht zu hören oder verwäscht alles andere. Das Tückische daran: Um den Bass richtig zu beurteilen, müssen sowohl dein Raum als auch deine Lautsprecher gut sein. In den meisten Heimstudios stimmt beides nicht ganz – deshalb stützt sich das Bass-Mixing oft mehr auf Messung und Technik als aufs Ohr.
In diesem Guide gehen wir Schritt für Schritt durch, wie du den Bass von Grund auf sauber mischst: warum das Low-End mono gehört, wie du unnötigen Sub wegräumst, wie du Body- und Mud-Frequenzen formst, wie du ihn mit Kompression konsistent machst und – am wichtigsten – wie du mit harmonischer Sättigung und der richtigen Kick-Bass-Balance einen Bass hinbekommst, der selbst auf Handy, Laptop und im Auto durchkommt. Die Werte sind konkret; du musst sie nur umsetzen.
Erst die Frequenzkarte verstehen: Wo lebt der Bass?
Bevor du den Bass überhaupt anfasst, musst du wissen, welche Frequenz was trägt. Sonst wanderst du blind durch den EQ und schaffst dir drei neue Probleme, während du eins löst. Teile das Low-End grob in vier Bereiche: 20-60 Hz ist der 'Sub'-Bereich – den hörst du weniger, als dass du ihn in der Brust spürst. 60-120 Hz ist der 'Body', also das Fundament und das Gewicht des Basses; hier 'drückt' der Track. 120-250 Hz ist der untere Mittenbereich, der Wärme gibt, aber übertrieben schnell aufbläht. Und 250-500 Hz ist die berüchtigte 'Mud'-Zone; ist die voll, klingt der Mix matschig und schachtelig.
Darüber geht es weiter. 700 Hz bis 2,5 kHz trägt den 'Klick' und die Definition des Basses – also den Charakter, an dem du ihn selbst auf dem Handy noch erkennst. Bei 2-5 kHz sitzt das Finger- bzw. Plektrum-Geräusch und das Saitenrauschen. Beim E-Bass sorgt genau dieser Bereich dafür, dass sich der Bass im Mix nach vorne schiebt. Bei 808s liegt der Grundton meist um 40-60 Hz – aber das ist nicht, was ihn auf dem Handy hörbar macht, sondern seine Obertöne darüber. Dazu gleich mehr.
Es hilft enorm, den Grundton deines Basses zu kennen. Schau mit einem Instrument- oder Spektrum-Analyzer, bei welcher Hz-Zahl die stärkste Spitze sitzt; das ist der Grundton dieser Note. Ein tiefes E (E1) liegt zum Beispiel bei etwa 41 Hz. Das zu wissen macht aus dem Rätselraten eine Entscheidung – du weißt, wohin der High-Pass gehört und wo du den Body stützen musst.
- Sub: 20-60 Hz (spürbar), Body: 60-120 Hz (Wucht), untere Mitten: 120-250 Hz (Wärme), Mud: 250-500 Hz (Matsch).
- Klick und Definition liegen bei 700 Hz bis 2,5 kHz; auf kleinen Lautsprechern macht dieser Bereich den Bass hörbar.
- Finde im Spektrum-Analyzer die stärkste Spitze; das ist der Grundton – triff alle Entscheidungen darauf aufbauend.
- Analysiere einen Lieblingstrack mit demselben Analyzer als Referenz und vergleiche ihn mit deinem eigenen Mix.
Low-End mono machen: Alles unter 120 Hz gehört auf einen Kanal
Das ist vielleicht die wichtigste – und am häufigsten übersprungene – Regel beim Bass-Mixing: Alles unterhalb von rund 120 Hz sollte mono sein. Warum? Weil ein stereophones Low-End durch Wellen, die aus zwei Lautsprechern minimal zeitversetzt ankommen, in Phasenauslöschungen läuft. Im Kopfhörer klingt das vielleicht schön 'breit', aber auf jedem System, das beide Lautsprecher auf eine Membran summiert (Handy, Bluetooth-Box, Club-Anlage, manche Auto-Setups), wird der Bass schwächer – oder verschwindet stellenweise ganz.
Die Lösung ist simpel: Dreh das Low-End mit einem Utility- oder Mono-Maker-Plugin unterhalb einer bestimmten Frequenz auf Mono. Für die meisten Genres ist 100-120 Hz eine gute Schwelle. Also alles unter 120 Hz mono, darüber darf es stereo bleiben. In elektronischer Musik und Trap wird der Bass ohnehin meist mono produziert; aber pass auf, wenn auf Synth-Bässe ein Stereo-Widener liegt – im Sub-Bereich ist ein Widener fast immer ein Fehler.
Um die Mono-Kompatibilität zu testen, schalte deinen Mix auf Mono und hör hin. Wird der Bass hörbar schwächer, hast du ein Phasenproblem im Low-End. Dieser Test verrät dir nicht nur etwas über den Bass, sondern über die Robustheit des ganzen Mixes – denn ein Großteil deiner Hörer wird dich auf Mono- oder Fast-Mono-Systemen hören.
- Dreh alles unter 120 Hz auf Mono; stell die 'Bass Mono'-Frequenz im Utility/Mono-Maker auf 100-120 Hz.
- Leg NIE einen Stereo-Widener in den Sub-Bereich; willst du Breite, mach das oberhalb von 200 Hz.
- Schalt den Mix ab und zu auf Mono; wird der Bass schwächer, liegt eine Phasenauslöschung vor.
- Produziere 808s und Synth-Bässe gleich mono; halte sie von Anfang an einkanalig, statt sie nachträglich zu monosieren.
High-Pass-Filter: Unnötigen Sub wegräumen, Headroom gewinnen
Selbst im Bass-Kanal stecken sehr tiefe Frequenzen, die du gar nicht hören kannst: Rumpeln unter 20-30 Hz, DC-Offset, Raumvibrationen. Das nimmst du kaum wahr, aber es frisst den Headroom deines Mixes, triggert den Limiter unnötig und deckelt die Gesamtlautstärke. Räumst du das mit einem High-Pass (Low-Cut) weg, fühlt sich der Bass sogar kräftiger an – ohne dass du ihn lauter machst –, weil du die Energie dem hörbaren Bereich überlässt.
Der entscheidende Punkt: Setz den Filter UNTER den Grundton des Basses. Liegt die tiefste Note deiner 808 bei 40 Hz, halte den High-Pass bei etwa 25-30 Hz, um das Fundament nicht abzuschneiden. Bei einem gefingerten E-Bass in einem dichten Mix kannst du bis 40-50 Hz hochgehen, weil dessen eigentliche Kraft ohnehin über 80 Hz sitzt. Auch die Flankensteilheit (Slope) zählt: 12-24 dB/Oktave geben einen sauberen Schnitt. Sehr steile Filter erzeugen am Cut-Punkt manchmal eine leichte Resonanzspitze – kontrolliere das mit dem Ohr.
Übertreib diesen Schritt nicht. Setzt du den High-Pass zu hoch, schneidest du das Gewicht des Basses weg und der Track wird schwach. Ziel ist es, den unhörbaren Müll rauszuwerfen, nicht die Kraft. Spiel deine tiefste Note, schieb den High-Pass langsam nach oben; sobald du hörst, wie der Bass dünner wird, geh ein Stück zurück.
- High-Pass bei der 808 auf 25-30 Hz, beim E-Bass im dichten Mix auf 40-50 Hz.
- Setz den Filter immer UNTER die tiefste Note des Basses; schneide das Fundament nicht ab.
- Nimm einen Slope von 12-24 dB/Oktave; bei sehr steilen Filtern auf die Resonanzspitze am Cut-Punkt achten.
- Der High-Pass ist kein Verstärker; er räumt nur unhörbaren Sub-Müll weg, nicht die Kraft.
Den Body formen: Das Herz des Basses bei 60-120 Hz
Das spürbare Gewicht und die Wucht des Basses leben zwischen 60 und 120 Hz. Hier 'drückt' der Track, hier spürst du es in der Brust. Aber genau hier lügt der Raum am meisten; wegen Raummoden kann eine Frequenz lauter oder leiser klingen, als sie ist. Verlass dich beim Body-Einstellen deshalb nicht nur aufs Ohr, sondern auch auf Messung und Referenz.
Meist reicht im Body eine breite, sanfte Anhebung (Boost): mit niedrigem Q rund um den Grundton 2-3 dB dazu. Aber löse erst die Probleme. Hörst du, dass eine einzelne Note deutlich lauter herauskommt als die anderen (klassisches Raummoden- oder Resonanzproblem), zieh bei dieser Frequenz mit einer schmalen Kerbe (Narrow Cut) 2-4 dB raus. Springt der Pegel von Note zu Note, korrigierst du das teils mit EQ, teils mit Kompression. Beim E-Bass verteilen sich die Grundtöne meist über 80-250 Hz; bei 808s bündelt sich die Kraft bei 40-60 Hz.
Fall beim Body nicht in die 'mehr ist immer besser'-Falle. Zu viel Body macht den Mix matschig und quetscht Vocals und Drums den Platz weg. Dein Ziel: Der Bass baut ein solides Fundament, ohne die anderen Elemente zu erdrücken. Vergleich bei gleicher Lautstärke mit einem Referenztrack; klingt dein Bass deutlich 'aufgeblähter' als seiner, hast du den Body wahrscheinlich übertrieben.
- Rund um den Grundton mit niedrigem Q 2-3 dB anheben stützt den Body; nicht übertreiben.
- Sticht eine Note heraus, setz an dieser Frequenz eine Kerbe mit schmalem Q, 2-4 dB (Raummode/Resonanz).
- 808-Kraft sitzt bei 40-60 Hz, E-Bass bei 80-250 Hz; ziel je nach Instrument auf den passenden Bereich.
- Vergleiche bei gleichem Pegel mit der Referenz; klingt deiner 'aufgebläht', dreh den Body zurück.
Mud aufräumen: 250-400 Hz schneiden, damit der Mix atmet
Der häufigste Grund, warum ein Mix matschig, 'schachtelig' oder wie 'unter einer Decke' klingt, ist eine Anhäufung im Bereich 250-400 Hz. Bass, Gitarre, Piano, sogar der Body der Vocals tragen alle hier Energie; überlagert sich das, entsteht Mud. Meist steuert der Bass den größten Teil davon bei, weil er hier von Natur aus viel Energie hat.
Die Lösung: Schneide im Bass-Kanal um 250-400 Hz mit einem mittelbreiten Q 2-4 dB raus. Finde die Problemstelle mit der Sweep-Technik; heb ein Bell-Filter um ein paar dB an und fahr das Band zwischen 200 und 500 Hz hin und her, finde die 'schlimmste', schachteligste Stelle und schneide dort – statt anzuheben. Manche Bässe haben zwischen 400 und 600 Hz zusätzlich einen 'näselnden' (nasal/boxy) Charakter; bei Bedarf setz auch dort einen leichten Cut.
Aber halte wieder die Balance: Schneidest du hier zu viel, wird der Bass nicht nur dünner, sondern 'verschwindet' im Mix – denn auf kleinen Lautsprechern gehört auch der untere Mittenbereich zu dem, was den Bass hörbar macht. Ziel ist es, den Mud zu nehmen, nicht Body oder Definition. Spielen Vocal und Bass gleichzeitig, verschafft ein leichter Cut im Bass (2-3 dB) genau dort, wo die Vocal sitzt, beiden Luft; das nennt man 'Frequency-Sharing'.
- Bei 250-400 Hz mit mittlerem Q 2-4 dB schneiden; der Matsch im Mix kommt meistens von hier.
- Sweep-Technik: Bell um ein paar dB anheben, Band durchfahren, die schachteligste Stelle finden, dann dort schneiden.
- Gegen den 'näselnden' Charakter bei 400-600 Hz bei Bedarf einen zweiten leichten Cut setzen.
- Nicht zu viel schneiden; die Mud-Zone trägt auf kleinen Lautsprechern auch zur Hörbarkeit des Basses bei.
Kompression: Konsistenz von Note zu Note
Gerade bei gespieltem Bass (Finger/Plektrum) ist das größte Problem die Inkonsistenz: Eine Note knallt, die nächste verschwindet, der Hörer nimmt den Bass mal wahr, mal nicht. Genau das ist die eigentliche Aufgabe der Kompression beim Bass – nicht den Sound zu 'zerquetschen', sondern die Noten aneinander anzugleichen und dem Bass einen konstanten, verlässlichen Pegel zu geben. Ein gut komprimierter Bass steht im Mix jederzeit an derselben Stelle.
Ein solider Startpunkt: Ratio zwischen 3:1 und 4:1, mittlerer Attack (20-40 ms), damit der Klick bzw. Anschlag der Note durchkommt und der Bass nicht tot klingt, Release aufs Tempo abstimmen (damit er öffnet, bevor die Note endet) und 3-6 dB Gain Reduction anpeilen. Ein zu kurzer Attack killt Definition und Klick des Basses. Willst du weiter gehen, ist eine zweistufige Kompression stark: Erst ein langsamer, sanfter 'Leveling'-Kompressor, der den Grundpegel setzt, dann ein zweiter, der die Spitzen abfängt. Optische Kompressoren sind gut für weiche, musikalische Pegel, FET-Typen für Charakter und Griff.
Bei einer gut programmierten 808 oder einem Synth-Bass braucht man manchmal gar keine Kompression, weil der Pegel ohnehin konstant ist; dort nutzt man Kompression eher für Charakter und Sättigung. Bei live gespieltem Bass ist Kompression dagegen fast Pflicht. Am besten prüfst du mit dem Ohr, indem du den Kompressor bei gleichem Pegel togglest: Klingt der Bass eingeschaltet 'gesetzter und durchgehender', bist du auf dem richtigen Weg; klingt er 'gequetscht und leblos', geh zurück.
- Startwerte: Ratio 3:1-4:1, Attack 20-40 ms, Release nach Tempo, 3-6 dB Gain Reduction.
- Attack nicht zu kurz; sonst killst du Anschlag und Klick des Basses, er klingt tot.
- Bei live gespieltem Bass zweistufig komprimieren: erst langsames 'Leveling', dann ein zweiter für die Spitzen.
- Eine gut programmierte 808 ist im Pegel schon konstant; dort nutzt du Kompression nicht für Konsistenz, sondern für Charakter.
Harmonische Sättigung und Exciter: das Geheimnis von Bass, der auf dem Handy durchkommt
Jetzt zum am meisten missverstandenen Thema beim Bass-Mixing. Handy-Lautsprecher, Laptops, billige Bluetooth-Boxen und die meisten Kopfhörer geben unterhalb von 100-150 Hz praktisch nichts wieder. Der 50-Hz-Grundton deiner 808 kann auf diesen Geräten also physikalisch gar nicht erklingen. Wie hören die Leute den Bass dann trotzdem auf dem Handy? Die Antwort ist der 'fehlende Grundton' (Missing Fundamental): Hört das Ohr die Obertöne einer Note, ergänzt das Gehirn den Grundton von selbst. Bringst du also die oberen Obertöne des Basses bei 100 Hz, 200 Hz, 300 Hz zum Klingen, nimmt das Gehirn den 50-Hz-Grundton wahr, selbst wenn du ihn nie spielst.
Der Weg zu diesen Obertönen ist Sättigung (Saturation/Distortion). Gibst du dem Bass eine leichte Sättigung, eine Amp-Simulation oder einen speziellen Bass-Exciter, entstehen über dem Grundton der 2., 3. und 4. Oberton. Die fallen in den Bereich 100-800 Hz, und kleine Lautsprecher spielen die problemlos. Am saubersten geht das über 'Band-Splitting' oder 'parallele Sättigung': Lass den Sub-Bereich (etwa alles unter 100 Hz) sauber und unangetastet und sättige nur den oberen Bereich. So hast du auf großen Systemen einen sauberen Sub und auf dem Handy trotzdem einen hörbaren Bass.
Bei der Menge musst du aufpassen. Wenig Sättigung gibt dem Bass Charakter und Hörbarkeit; zu viel macht ihn schnarrend, hart und anstrengend. Stell die Sättigung ein, während du über Handy- oder Laptop-Lautsprecher hörst – denn genau darum geht es in diesem Schritt. Spiel einen Referenztrack über denselben kleinen Lautsprecher; hörst du deren Bass, aber deiner verschwindet, fehlt dir wahrscheinlich der Obertongehalt.
- Kleine Lautsprecher geben nichts unter 100-150 Hz wieder; hörbar wird der Bass dort über seine Obertöne, nicht den Grundton.
- Splitte das Band: Sub (unter 100 Hz) sauber lassen, nur den oberen Bereich sättigen (parallele/Multiband-Sättigung).
- Stell die Sättigung über Handy- und Laptop-Lautsprecher ein; das Ziel dieses Schritts sind kleine Geräte.
- Wenig Sättigung gibt Charakter, viel macht Schnarren und Härte; bleib maßvoll.
Kick und Bass: die Kunst, sich denselben Bereich zu teilen
Kick-Drum und Bass leben im selben engen Bereich des Low-Ends und sind die zwei Elemente, die sich im Mix am häufigsten in die Quere kommen. Drücken beide gleichzeitig mit voller Kraft, erdrückt entweder eines das andere, oder das gesamte Low-End wird matschig und verliert an Wucht. Der Kern der Lösung: Entscheide, wer bei welcher Frequenz der Boss ist. Ein gängiger Ansatz ist, der Kick den 'Klick'-Bereich (Anschlag um 60-100 Hz) und dem Bass den durchgehenden Sub darunter (40-60 Hz) zu geben – oder genau andersherum. Entscheide zuerst, welches der beiden die Identität des Tracks trägt.
Diese Aufteilung baust du auf zwei Hauptwegen. Erstens per EQ-Carving: Setz bei der Frequenz, wo die Kick am stärksten ist, eine leichte Kerbe im Bass – oder umgekehrt; so kämpfen die beiden nicht bei derselben Hz-Zahl. Zweitens, und in elektronischer bzw. Trap-Musik sehr verbreitet: Sidechain-Kompression. Jedes Mal, wenn die Kick anschlägt, wird der Bass kurz leicht abgesenkt (er duckt) und öffnet wieder, sobald die Kick durch ist. Das schafft der Kick jedes Mal eine saubere Lücke zum 'Atmen'. Stell den Attack beim Sidechain nicht zu kurz (20-50 ms), den Release aufs Tempo, damit es natürlich wirkt und nicht hörbar pumpt. Als Menge reichen meist 2-4 dB Ducking.
Bei der Kombination 808 + Kick gibt es einen Sonderfall: Wenn du beide layerst, stimm die Kick auf die Note der 808, damit sie sich in der Phase nicht überlagern, und nutz die Kick dann als Sidechain-Trigger. Halte beide mono und richte ihre Phasen aus; drücken zwei Quellen gleichzeitig gegenphasig, kann das Low-End komplett verschwinden. Verliert ein Element an Kraft, sobald du das andere hinzufügst, lautet die Antwort fast immer: entweder Phase oder Sidechain.
- Entscheide zuerst: Wer ist der Boss im Sub – Kick oder Bass? Das andere an dieser Frequenz leicht zurücknehmen.
- Mit EQ carven: bei der Spitzenfrequenz der Kick eine Kerbe im Bass (oder umgekehrt), damit sie sich nicht bekämpfen.
- Sidechain: Bass um 2-4 dB ducken, wenn die Kick schlägt; Attack 20-50 ms, Release nach Tempo.
- Beim 808+Kick-Layer die Kick auf die Note der 808 stimmen, beide mono halten und die Phasen ausrichten.
Der Endcheck: kleine Lautsprecher, Mono und Referenz-Test
In dem Moment, in dem du glaubst, der Bass-Mix sei fertig, fängt der eigentliche Test erst an. Denn der Bass, der auf deinen Studiomonitoren oder deinem guten Kopfhörer großartig klingt, kann sich auf den Geräten, die die meisten Hörer nutzen, völlig anders verhalten. Hör deinen Bass deshalb unbedingt über mehrere Quellen: Handy-Lautsprecher, Laptop, im Auto, billige Bluetooth-Box – und auf jeden Fall in Mono. Jede zeigt dir ein anderes Problem; das Handy verrät fehlende Obertöne, das Auto Raummoden, Mono die Phasenprobleme.
Ein Referenztrack ist in dieser Phase unbezahlbar. Bring einen professionell gemixten Track aus deinem Genre auf GENAU dieselbe Lautstärke wie deinen (das ist entscheidend, weil das Lautere immer 'besser' klingt) und hör abwechselnd. Wie kräftig ist der Bass? Wo sitzt er? In dem Moment, in dem du den Unterschied zu deinem hörst, weißt du auch, was du korrigieren musst. Für die Lautheitsmessung (LUFS) ist die Referenz ebenfalls ein guter Kompass – aber bau erst die Balance, den Pegel machst du zum Schluss.
Wendest du all diese Schritte (Monosieren, High-Pass, Body- und Mud-EQ, Kompression, harmonische Sättigung, Kick-Bass-Balance) in der richtigen Reihenfolge und mit den richtigen Werten an, kommt ein Bass heraus, der auf jedem Gerät klar, kräftig und konsistent ist. Aber das alles in jedem Song von Hand einzeln einzustellen, kostet ordentlich Zeit und Erfahrung. Genau hier kommt Seimix ins Spiel: Du lädst deine Stems hoch, eine professionelle Mix- und Mastering-Kette wird automatisch angewendet, und du bekommst ohne stundenlanges Herumschrauben einen Bass, der sogar auf dem Handy drückt. Lern erst die Technik – und wenn du das Ganze beschleunigen willst, überlass es Seimix.
- Hör den Bass über mindestens 4 Quellen: Handy, Laptop, Auto, Mono; jede zeigt ein anderes Problem.
- Bring die Referenz auf DENSELBEN Pegel wie deinen Mix und vergleiche; das Lautere täuscht.
- Bau erst die Balance, die Lautheit/LUFS-Einstellung machst du ganz zum Schluss.
- Wenn du die Technik draufhast, überleg, diese Kette mit Seimix bei jedem Song zu automatisieren.
Keine Lust auf Handarbeit?
Lade deinen Track bei Seimix hoch, wähle ein Preset oder sag einfach, was du willst — dein Mix ist in Minuten fertig. 7 Tage kostenlos.
Häufige Fragen
Wie mische ich eine 808?
Halte die 808 zuerst mono und räum mit einem High-Pass um 25-30 Hz den unhörbaren Sub-Müll weg. Erhalte den Grundton (meist 40-60 Hz) und schneide den Mud bei 250-400 Hz um 2-3 dB. Der entscheidende Schritt ist harmonische Sättigung: Lass den unteren Bereich sauber und sättige den oberen leicht (Saturation), damit sie auch auf kleinen Lautsprechern wie Handy und Laptop durchkommt. Zum Schluss die Kick auf die Note der 808 stimmen und per Sidechain leicht ducken, damit sich beide nicht überlagern.
Warum ist der Bass auf dem Handy und auf kleinen Lautsprechern nicht zu hören?
Weil Handy, Laptop und billige Lautsprecher unterhalb von 100-150 Hz physikalisch nichts wiedergeben. Der 50-Hz-Grundton des Basses kann auf diesen Geräten nicht erklingen. Die Lösung ist harmonische Sättigung: Gibst du dem Bass etwas Saturation, entstehen im Bereich 100-800 Hz obere Obertöne; hört das Ohr die, ergänzt das Gehirn den Grundton von selbst (Phänomen des 'fehlenden Grundtons'). Am saubersten ist es, den Sub sauber zu lassen und nur den oberen Bereich zu sättigen.
Sollte der Bass mono oder stereo sein?
Alles unterhalb von rund 120 Hz sollte unbedingt mono sein. Ein stereophones Low-End läuft auf Systemen, die beide Lautsprecher auf eine Membran summieren (Handy, Bluetooth-Box, Club, manche Auto-Setups), in Phasenauslöschungen – der Bass wird schwächer oder verschwindet. Dreh alles unter 100-120 Hz mit einem Utility/Mono-Maker auf Mono. Willst du Breite, mach das oberhalb von 200 Hz; leg nie einen Stereo-Widener in den Sub-Bereich.
Warum wird das Low-End matschig, wenn Kick und Bass gleichzeitig spielen?
Weil beide im selben engen Bereich des Low-Ends leben und deshalb konkurrieren. Die Lösung ist, für beide festzulegen, wer bei welcher Frequenz der Boss ist. Carve mit EQ: Setz bei der stärksten Frequenz der Kick eine leichte Kerbe im Bass (oder umgekehrt). Nutz außerdem Sidechain-Kompression: Jedes Mal, wenn die Kick schlägt, duckt der Bass um 2-4 dB (Attack 20-50 ms, Release nach Tempo). Halte beide mono und richte ihre Phasen aus.
Wie viel Kompression sollte ich auf den Bass geben?
Ein guter Startpunkt: Ratio 3:1-4:1, mittlerer Attack (20-40 ms, damit der Anschlag durchkommt), Release nach Tempo und 3-6 dB Gain Reduction. Ziel ist nicht, den Sound zu zerquetschen, sondern den Pegel von Note zu Note konsistent zu machen. Bei live gespieltem Bass ist Kompression fast Pflicht; bei einer gut programmierten 808 ist der Pegel schon konstant, dort nutzt du Kompression eher für Charakter. Halte den Attack nicht zu kurz, sonst killst du die Definition des Basses.
Welche Frequenzen sollte ich beim Bass-Mixing schneiden und welche anheben?
Schneiden: alles unter 20-30 Hz per High-Pass (unhörbarer Müll), den Mud bei 250-400 Hz um 2-4 dB (Matsch), bei Bedarf den näselnden Charakter bei 400-600 Hz. Anheben/stützen: rund um den Grundton den Body bei 60-120 Hz mit niedrigem Q um 2-3 dB, für die Hörbarkeit auf dem Handy bei Bedarf den Klick-/Definitionsbereich bei 700 Hz-2,5 kHz leicht. Entscheide immer im Vergleich mit einer Referenz bei gleichem Pegel, nicht per Blindraten.
Mehr: Alle Ratgeber